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Vom Stall in den Schlachthof

Erreichen Mastschweine rund 90 Kilogramm Schlachtgewicht, kommen sie in den Schlachthof. Bei UFA-Bühl, dem Forschungsbetrieb von UFA, steht der schonende Transport der Tiere im Zentrum.

Haben Mastschweine ihr Schlachtgewicht von rund 90 Kilogramm erreicht, kommen sie in den Schlachthof. Auch die Tiere von UFA-Bühl, dem Forschungs­betrieb von UFA. Zentral dabei ist der schonende Transport der Tiere.

Hat Futter mit Weizen aus einem verregneten Sommer andere Auswirkungen als solcher aus einem trockenen Sommer? Auf UFA-Bühl wird unter anderem untersucht, wie sich das Futter auf Sättigung, Leistung und Gesundheit von Mastschweinen auswirkt. Auf dem Forschungsbetrieb für Futtermittel von UFA in Hendschiken (AG) führt UFA seit 65 Jahren Forschungsaufträge durch. «Wer richtig füttert, legt das Fundament für gesunde Tiere und einen wirtschaftlich erfolgreichen Betrieb», betont Barbara Eichenberger, Leiterin Forschung und Versuche bei UFA. 

Barbara Eichenberger
« Wer richtig füttert, legt das Fundament für gesunde Tiere. »

Auf UFA-Bühl leben nebst Mastschweinen auch Muttersauen, Aufzucht­ferkel, Mastkälber und Mastpoulets – gehalten unter praxisnahen, aber kontrollierten Bedingungen. Der UFA-Bühl-Betriebsleiter Daniel Keusch begutachtet 15 Mastschweine, die keiner Versuchsgruppe angehören. «Es gibt immer wieder Tiere, deren Gewichtsentwicklung oder genetische Merkmale eine Teilnahme am Versuch ausschliessen», erklärt er. Nun haben diese Tiere ihr Schlachtgewicht erreicht. Daniel Keusch meldet sie bei Anicom an. Das Unternehmen organisiert die Abholung und plant die Touren seiner Chauffeurinnen und Chauffeure so, dass Tierwohl, Effizienz und sinnvolle Transportwege im Gleichgewicht bleiben. Bei den 15 Mastsauen von UFA-Bühl haben die Disponenten von Anicom für die Zuteilung etwas mehr Spielraum. Bei Versuchstieren ist das anders: Sie gehen immer in den Schlachtbetrieb Zürich, weil dort die Daten für Schlacht­gewicht und Magerfleischanteil pro Einzeltier ausgewertet und über­mittelt werden. Die Resultate fliessen anschliessend zu UFA-Bühl zurück und dienen der Auswertung des Futtermittelversuchs.

Stressfreier Transport

Eine Woche später fährt Roger Marti Richtung UFA-Bühl. Der 44-jährige Chauffeur, der seit 24 Jahren für ­Anicom am Steuer sitzt, hat diesen Wintertag um 2.30 Uhr begonnen und unterwegs bereits 25 Mastschweine aufgeladen. Sie befinden sich in der mittleren Ebene seines dreistöckigen Anhängers. Es ist ein Vorzeigestück in Sachen Innovation und Tierwohl von Anicom. Denn er verfügt über eine Lüftung, eine Selbsttränke, eine Sprinkleranlage für heisse Tage und grünes Licht, das die Tiere beruhigt. Anicom hat den Tiertransporter im Frühling 2023 eingeführt. Er gewann den Neuheitspreis des Innovationswettbewerbs an der Suisse Tier 2023. Roger Marti kann alle Funktionen vom Steuer aus überwachen und bedienen. Kurz vor Hendschiken hängt er seinen Anhänger ab und fährt sanft die steile Anfahrt zu UFA-Bühl hinauf. Die 15 Mastschweine befinden sich schon im Freien in einem gedeckten Auslauf, was Roger Marti die Arbeit erleichtert. Ruhig verlassen die Schweine das Gehege, trampeln die Rampe in das Zugfahrzeug hoch, immer dem Licht im Anhänger nach. «Unsere nächtlichen Fahrten haben mehrere Gründe: Weniger Verkehr, weniger Hitze im Sommer und die Tiere folgen gerne dem Licht. So steigen sie fast von selbst ein und legen sich nochmals hin», erklärt der Chauffeur. Er fügt an: «Stress ist ein Tabu. Das würde sich sofort auf die Tiere übertragen.»

Roger Marti
« Meinen Fahrstil vergleiche ich gerne mit jenem eines Car-Chauffeurs. »

Vorausschauende Fahrweise

Sorgfältig weist Roger Marti den Tieren ihr Abteil zu, sodass jedes einzelne genügend Platz und Ruhe hat. Er verriegelt die Abteilabschrankungen und Anhängertür. Dann fährt er ohne Ruck los. «Meinen Fahrstil vergleiche ich gerne mit jenem eines Car-Chauffeurs. Wir sind es gewohnt, feiner und insbesondere vorausschauend zu fahren», erklärt er. Wie viele seiner 29 Last­wagenkollegen und drei -kolleginnen bei Anicom ist er auf einem Landwirtschaftsbetrieb und mit Tieren auf­gewachsen. Er verfügt über die Lastwagenprüfung und die Ausbildung im Tiertransport, die alle drei Jahre wiederholt wird. Sein Fahrverhalten wird digital erfasst und ausgewertet. Roger Marti hat noch zwei weitere Stopps vor sich, bis er am Endziel im Schweineschlachtbetrieb in Bazenheid (SG) ankommt. 

Die letzte Etappe

Mittlerweile ist es 6.45 Uhr. Der ­Anicom Lastwagen erreicht den Schweineschlachthof, der grösste in der Schweiz. Er ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Fleisch verarbeitenden Betriebe der Ostschweiz, an dem sich auch Ernst Sutter beteiligt. «Mit der Bündelung der Schlachtung profitieren alle Beteiligten von einer modernen Schlachteinrichtung», erklärt Christian Siegrist. Er ist bei Ernst Sutter für die Beschaffung des Schlachtviehs verantwortlich. Bevor Roger Marti die Schweine auslädt, übergibt er die Begleitdokumente mit allen wichtigen Informationen über den Gesundheitszustand der Tiere. 

Die Schlachthofmitarbeitenden kennzeichnen jedes Tier mit einem Tätowierstempel für die Produzentenzugehörigkeit. Anwesende Tierärztinnen und Tierärzte des kantonalen Veterinäramtes prüfen den Gesundheitszustand und beurteilen, ob Tierschutz und alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten worden sind. Nach der Kontrolle bereiten die Schlachthofmitarbeitenden die Mastschweine für die Schlachtung vor. Sie betäuben sie tierschutzgerecht, bevor sie entblutet und entborstet werden. Danach zerlegen sie die Schlachtkörper in Hälften. Kurz darauf gelangen die ausgekühlten Schlachthälften per Lastwagen in das rund 200 Meter entfernte Frischfleischzentrum von Ernst Sutter. Dort werden sie in Stücke zerlegt und beispielsweise zu Geschnetzeltem oder Plätzli weiterverarbeitet, verpackt und etikettiert. Ein Grossteil der Produkte gelangt über die Volg Verteilzentrale in die Läden. Christian Siegrist: «So schliesst sich der Kreis: Vom Futter über den Transport bis zur Verarbeitung arbeiten alle Partner Hand in Hand – für gesunde Tiere und gute Fleischqualität.»

Für den Anicom Chauffeur ist die Arbeit des Tages fast erledigt: Bevor er das Gelände des Schlachthofs wieder verlässt, reinigt er sein Fahrzeug innen und aussen ausgiebig mit Wasser. Dann fährt er an den Anicom Standort in Oberwinterthur (ZH) und bereitet den Lastwagen für den nächsten Tag vor: Er desinfiziert die Abteile im Zugfahrzeug und im Anhänger mit Produkten von Halag Chemie und legt frische Streu aus.

60 Jahre Anicom

1966 als Handelsorganisation für Nutztiere gegründet, feiert Anicom 2026 ihr 60-Jahr-Jubi­läum. Heute ist sie die führende Anbieterin für Vermarktung und Logistik von Schweinen, Rindern und Schafen in der Schweiz – und eine wichtige Partnerin der fenaco für die Förderung der bäuerlichen Tierproduktion. Anicom transportiert jährlich über 800 000 Tiere.

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