Seit 1966 vermarktet und transportiert Anicom Nutztiere. Die fenaco Tochter beschritt schon früh neue Wege in der Zusammenarbeit mit Produzentinnen und Produzenten, im Labelbereich und im Tiertransport.
Wenn es um die Vermarktung und den Transport von Nutztieren geht, spielt Anicom eine Schlüsselrolle. Das Unternehmen sorgt dafür, dass Schweine, Rinder und Schafe von den Zucht- auf die Mastbetriebe und von dort zu den Schlachtbetrieben gelangen – effizient, tiergerecht und im Interesse der Produzentinnen und Produzenten. «Den Grundstein dafür haben wir vor 60 Jahren bei der Gründung gelegt. Der Genossenschaftsgedanke stand schon damals im Vordergrund», betont Christian Probst, Vorsitzender der Geschäftsleitung. 1966 gründete der Verband landwirtschaftlicher Genossenschaften von Bern das Unternehmen. Ziel war es, die wirtschaftliche Entwicklung der bäuerlichen Familienbetriebe zu stärken. Die Tierhalterinnen und Tierhalter sollten mehr Einfluss auf das Marktgeschehen erhalten – in einer Zeit, in der immer mehr kleine Metzgereien verschwanden, grosse Schlachtbetriebe entstanden und regelmässige, grössere Liefermengen gefragt waren.
Weitblick bei der Gründung
Als Organisationsform wählten die Gründer die Aktiengesellschaft. So erhielten Produzentinnen und Produzenten sowie andere Genossenschaftsverbände die Möglichkeit, am neuen Unternehmen teilzuhaben. «Als sich Ende der 1980er-Jahre der Zusammenschluss der Genossenschaftsverbände abzeichnete, war Anicom ein gutes Beispiel dafür, dass gemeinsame, schweizweite Lösungen funktionieren», so Christian Probst. Aus dem Zusammenschluss der Genossenschaftsverbände ging die fenaco hervor, die in der Folge auch Mehrheitsaktionärin von Anicom wurde. Von Beginn an arbeitete Anicom eng mit den Beratungsdiensten von UFA und den Versuchsbetrieben der Genossenschaftsverbände zusammen. Diese Partnerschaften führten zu wichtigen Fortschritten, etwa bei der Bekämpfung der Ferkelgrippe oder in der Datenauswertung. Das Programm UFA2000 ermöglicht es, züchterische und wirtschaftliche Kennzahlen systematisch zu erfassen – eine Grundlage für bessere Entscheidungen in der Schweinezucht. Zur Absicherung der Betriebe richtete Anicom zudem eine Risikokasse für Schweinezuchtbetriebe ein.
Veränderte Nutztierhaltung, verändertes Kundenverhalten
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Nutztierhaltung stark verändert: Die Zahl der Betriebe nahm ab, die Bestände pro Hof stiegen. Damit wuchsen auch die Anforderungen an die professionelle Planung, Vermarktung und Logistik. Die Ansprüche an eine tiergerechte Haltung und ökologisch verantwortungsvolle Produktion wurden grösser.
Anicom reagierte früh auf diese Entwicklungen. In enger Zusammenarbeit mit Partnern wie UFA, Carnavi (heute Ernst Sutter), Coop und Migros entstanden ab Ende der 1980er-Jahre verschiedene Labels und Nachhaltigkeitsprogramme – von Agri Natura über Naturafarm bis IP-Suisse oder Swiss Quality Beef. Christian Probst: «Sie alle verband ein Ziel, das auch heute noch seine Gültigkeit hat: bei den Konsumentinnen und Konsumenten Vertrauen schaffen und den Produzentinnen und Produzenten langfristig Absatzsicherheit bieten.»
Weiterentwicklung des Angebots
Parallel weitete Anicom ihr Handelsgeschäft aus. Was einst mit Mastjagern und Schlachtschweinen begann, umfasst heute auch Kälber, Rinder und Schafe. Pro Tierkategorie bietet Anicom verschiedene Dienstleistungen an. Das Unternehmen ist beispielsweise mit der «arbeitsteiligen Ferkelproduktion» Vorreiter. Damit können sich Produzentinnen und Produzenten auf einen Bereich der Schweineproduktion spezialisieren. Dank technologischer Entwicklungen kann Anicom immer wieder neue Services am Markt einführen und Mehrwert für die Produzentinnen und Produzenten schaffen. «Kommunikation und Digitalisierung sind wesentliche Bestandteile unserer Dienstleistungen: Über App und Kundenportal erhalten Tierhalterinnen und Tierhalter direkten Zugang zu Abrechnungen, Schlachtdaten und Tieranmeldungen – auch ausserhalb der Bürozeiten», so Christian Probst. Pushnachrichten auf dem Mobiltelefon erinnern Kundinnen und Kunden zudem daran, ihre Tiere rechtzeitig für den Schlachthof anzumelden. Diese Dienstleistung wurde an der SuisseTier Ende 2025 mit der Plakette «Neuheit 2025» ausgezeichnet. «Unsere Kundinnen und Kunden können ihre Geschäfte heute effizienter und übersichtlicher abwickeln», fügt Christian Probst an. Tanja Müller, Produzentin von Mastschweinen und seit 2014 Anicom Kundin, bekräftigt: «Ich schätze die Fachkompetenz der Anicom Mitarbeitenden sowie die transparenten und schnellen Abrechnungen und Auszahlungen.»
Tiergerechter Transport
Zentral für die Tätigkeit von Anicom ist seit jeher die Logistik. Dem Tierwohl wird dabei ein hoher Stellenwert beigemessen. Die aktuell 3 Chauffeurinnen und 30 Chauffeure bilden sich regelmässig in Tiertransport und Eco-Drive weiter. Ihr Fahrverhalten wird digital erfasst und ausgewertet. Dank exakter Disposition und regelmässigen Investitionen in moderne Fahrzeuge und Spezialaufbauten ist ein schonender, sicherer und umweltbewusster Transport gewährleistet.
Fit für die Zukunft
2024 leitete Anicom eine umfassende Neuorganisation ein. Unter dem Motto «Anicom – fit für die Zukunft» wurden Strukturen gestrafft, Teams zusammengelegt und die Geschäftsleitung verkleinert. Wir haben an Effizienz gewonnen, ohne an Marktnähe zu verlieren», erklärt Christian Probst. Das sieht Tanja Müller gleich: «Anicom ist nah bei uns Produzentinnen und Produzenten. Das schafft Vertrauen und die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.»
Auf ein Wort: Agil und fit bleiben
Anicom stellt die professionelle Vermarktung und den Transport von Nutztieren vom Stall bis zur Schlachtung sowie den Jungtierhandel sicher. Damit ist Anicom ein äusserst wichtiges Bindeglied zwischen den Bauernfamilien und den Abnehmern.
Seit dem 1. Januar 2026 darf ich als neuer Leiter der Division Agrar auch den Verwaltungsrat von Anicom präsidieren und das Unternehmen mitgestalten. Vom ersten Tag an hat mich das grosse Engagement auf allen Ebenen beeindruckt: Der bäuerlich geprägte Verwaltungsrat bringt die Perspektive der Praxis direkt in die strategischen Entscheide ein. Die Geschäftsleitung setzt diese gemeinsam mit rund 90 Mitarbeitenden mit viel Herzblut im Alltag um. So entwickelt sich Anicom stetig weiter und schafft Mehrwerte für die Landwirtinnen und Landwirte – in der Digitalisierung, den Dienstleistungen und der Logistik. Gerade der Tiertransport ist in der öffentlichen Diskussion oft im Fokus. Mit ihrer modernen Fahrzeugflotte und top ausgebildeten Chauffeurinnen und Chauffeuren hat Anicom hier neue Massstäbe gesetzt und misst dem Tierwohl höchste Bedeutung bei.
Anicom löst in der Tierproduktion ein, für was die fenaco gesamthaft einsteht: die Unterstützung der Schweizer Landwirtinnen und Landwirte bei der wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Betriebe. Ich wünsche den Kolleginnen und Kollegen ein gelungenes Jubiläumsjahr.
Markus Hämmerli, Mitglied der Geschäftsleitung, Leiter Division Agrar
60 Jahre Anicom
Anicom ist heute fest in der genossenschaftlichen Wertschöpfungskette der fenaco verankert. Für die Nutztierhalterinnen und Nutztierhalter bedeutet das: eine starke Marktpartnerin, professionelle Begleitung vom Stall bis zur Schlachtung und eine bessere Position im Markt. Anicom beschäftigt rund 90 Mitarbeitende und verfügt über Standorte in Payerne (VD), Lyssach (BE), Sursee (LU) und Ohringen (ZH). Der Firmenhauptsitz befindet sich in Lyssach (BE). Anicom feiert 2026 ihr 60-jähriges Bestehen.