Die Landwirtschaft wird digitaler, die Maschinen intelligenter. Wie erleben junge Berufsleute diesen Wandel? Ein angehender Landwirt und ein Landmaschinenmechaniker in Ausbildung erzählen aus ihrem Alltag zwischen Technik, Handwerk und künftigen Herausforderungen.
Was fasziniert euch an moderner Landtechnik heute am meisten?
Jan Vetsch: Dank der technischen Entwicklung lassen sich zahlreiche Arbeiten einfacher, genauer und effizienter erledigen. Beispiels-weise beim Säen oder Spritzen kann ich heute viel präziser arbeiten als früher. Mit GPS kann ich per Knopfdruck eine exakte Fahrgasse anlegen. Auch im Stall hat sich einiges verändert: Während der Melkroboter die Kühe melkt, kann ich mich anderen Arbeiten widmen. Gleichzeitig liefert mir das System wichtige Informationen, etwa zur Milchmenge, zum Fett- und Eiweissgehalt oder zu möglichen Gesundheitsproblemen einer Kuh.
Joel Hofmann: Wenn man einen zehnjährigen Traktor mit einer modernen Maschine vergleicht, liegen Welten dazwischen. Heute können viele Funktionen direkt über Fahrhebeltasten, Bildschirme oder sogar über das Smartphone gesteuert werden. Das hätte man sich früher kaum vorstellen können.
Warum habt ihr euch für eure Ausbildung entschieden?
Jan Vetsch: Technik hat mich schon immer interessiert. Deshalb habe ich zuerst eine Lehre als Informatiker gemacht. In meiner Freizeit habe ich aber immer auf dem elterlichen Betrieb mitgearbeitet. Irgendwann wurde die Hofnachfolge zum Thema, deshalb habe ich mich für die Zweitausbildung als Landwirt entschieden. Der Strickhof bietet für mich ideale Voraussetzungen: Hier arbeiten wir mit modernen Geräten im Stall und auf dem Feld. Nach der verkürzten Ausbildung zum Landwirt habe ich im Sinn, die Weiterbildung zum Agrotechniker HF zu machen.
Joel Hofmann: Das Schrauben an den Maschinen macht mir einfach Spass. Wie Jan interessiert mich die Technik dahinter. Nun habe ich nach dem ersten Lehrjahr noch drei Lehrjahre als Landmaschinenmechaniker vor mir, danach möchte ich die Weiterbildung zum Diagnostiker machen. Damit bin ich bestens vorbereitet auf die Arbeit mit modernen Landmaschinen – sowohl in der Werkstatt als auch direkt bei Kundinnen und Kunden auf dem Feld.
Wie sieht ein typischer Tag aus?
Joel Hofmann: Am Montag gehe ich in die Berufsschule, an den anderen Tagen arbeite ich in der Werkstatt. Die Arbeiten sind sehr vielfältig. Im Frühling haben wir beispielsweise Erbsendrescher revidiert, im Sommer nehmen wir uns Bohnenmaschinen vor, später Traktoren oder Mähdrescher. Vieles aus der Schule kann ich direkt in der Werkstatt anwenden. Umgekehrt besprechen wir Erfahrungen aus dem Betrieb im Unterricht.
Jan Vetsch: Auch bei uns gleicht kein Tag dem anderen. Wir arbeiten mit Tieren, auf dem Feld oder im Obstbau. Handarbeit und Arbeit mit Maschinen wechseln sich dabei ab. Die Schultage sind recht intensiv, weil ich eine verkürzte Zweitlehre mache und den Stoff aus dem ersten und zweiten Lehrjahr gleichzeitig lerne. Da helfen mir die Erfahrungen aus dem elterlichen Betrieb sowie vom Strickhof sehr.
Wie haben neue Technologien euren Alltag verändert?
Jan Vetsch: Seit ich am Strickhof mit einem Melkroboter arbeite, erlebe ich den Unterschied zum Melken mit einer Melkanlage direkt: Der Zeitgewinn ist enorm. Moderne Technik erleichtert den Alltag und eröffnet neue Möglichkeiten. So können Betriebe beispielsweise mehr Tiere halten oder Arbeiten auf dem Feld präziser ausführen. Kameragesteuerte Hackgeräte beispielsweise arbeiten heute deutlich genauer als frühere Systeme, die von einer Person auf der Maschine gesteuert werden mussten.
Joel Hofmann: Wenn ich einen alten und einen neuen Traktor auseinandernehme, sehe ich direkt, wie sich die Landtechnik verändert hat: Bei älteren Maschinen braucht es oft Muskelkraft und handwerkliches Geschick. Bei modernen Fahrzeugen muss man sich zusätz-lich in Elektronik, Sensoren und Software auskennen. Gleichzeitig beeindruckt mich die Robustheit der alten Traktoren. Heute kann manchmal schon ein einziges defektes Kabel dazu führen, dass die ganze Maschine stillsteht.
Wie werden sich Ausbildung und Arbeit in zehn bis 15 Jahren verändern?
Jan Vetsch: Die Entwicklung wird sicher weitergehen. Maschinen werden noch genauer und effizienter arbeiten. Trotzdem, die Basis bleibt zum Glück bestehen: Unsere Pflanzen verschwinden aufgrund der technischen Entwicklung nicht. Das landwirtschaftliche Fach-wissen bleibt deshalb zentral. Themen wie Digitalisierung und Automatisierung werden in der Ausbildung aber noch wichtiger.
Joel Hofmann: Die Maschinen und Anbaugeräte werden wohl noch grösser, die Technik noch komplexer. Für uns bedeutet das, dass wir ständig Neues lernen müssen. Wir werden uns immer stärker mit Elektronik, Software und Diagnosesystemen beschäftigen.
Wird künftig handwerkliches Geschick oder digitales Know-how wichtiger sein?
Joel Hofmann: Beides. Schon heute lernen wir in der Schule deutlich mehr über Elektronik und digitale Systeme als früher. Für die Fehlersuche auf dem Feld muss man die Zusammenhänge verstehen. Trotzdem bleibt das Handwerk die Grundlage. Man muss immer noch wissen, wie eine Maschine aufgebaut ist und wie sie funktioniert. Und natürlich braucht es ein Wissen über die Landwirtschaft und deren Anforderung an die Technik.
Jan Vetsch: Genau. Die Kombination macht es aus. Man muss moderne Technik bedienen können, aber gleichzeitig verstehen, was mechanisch passiert. Zudem können oder wollen nicht alle Betriebe immer die neuesten Maschinen kaufen. Deshalb ist es wichtig, sowohl mit einem hochmodernen Traktor als auch mit alten Maschinen umgehen zu können.