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Claude Winter: Startup-Scout und Brückenbauer

Claude Winter ist Geschäftsführer des fenaco Food-Hubs Sproudz und Leiter des Bereichs Innovation in der Division Lebensmittelindustrie. Wer ist der Mann? Ein Porträt.

Claude Winter

Die Neugierde ist ihm ins Gesicht geschrieben. Sie treibt Claude Winter an, die Lebensmittelproduktion nachhaltiger zu gestalten – in seiner Doppelrolle als Geschäftsführer des fenaco Food-Hubs Sproudz und als Leiter des Bereichs Innovation in der Division Lebensmittelindustrie.

Es ist ein Kommen und Gehen in den Büros, in der Küche wird diskutiert und gelacht. Stets ist viel los bei Sproudz, dem Produktions-Hub für Lebensmittel-Startups der fenaco in Zollikofen (BE). Mittendrin: Claude Winter. Er begrüsst Besuchende, beantwortet Fragen, vernetzt Menschen, spinnt Ideen – und kostet zwischendurch einen veganen Berliner mit Himbeerpüree aus Ernteüberresten. Den Geschäftsführer von Sproudz und Leiter Bereich Innovation der Division Lebensmittelindustrie (f-INAL) verbindet das Interesse eines Food-Scouts mit der Weitsicht ­eines Geschäftsmanns. «Wir müssen agil bleiben. Die Umwelt, das Essverhalten und die Technologie sind im Wandel – und somit verändern sich auch die Anforderungen an die Lebensmittelindustrie.»
 

Immer auf Achse

Claude Winter setzt sich immer wieder einen «anderen Hut» auf – einmal ist er Geschäftsleiter von Sproudz, dann wieder fenaco Vertreter der Division Lebensmittelindustrie. Scharf trennen liessen sich diese beiden Bereiche jedoch nie, vielmehr würden sie sich ergänzen, meint Claude Winter. Er hat im Sommer 2025 die Aufgabe übernommen, Sproudz als flexible Plattform für kreative Startups im Lebens­mittelbereich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig bearbeitet er verschiedene strategische Innovations­felder der fenaco. Dazu gehören Food-Upcycling aus Ernteüberschüssen und Nebenprodukten der Lebensmittelindustrie, neue Produktionsformen wie die zelluläre Landwirtschaft sowie Massnahmen gegen die Verschwendung von Lebensmitteln. Mit den Projekten soll auch Wertschöpfungspotenzial für die Mitglieder der fenaco erschlossen werden.

Claude Winter
« Wir müssen agil bleiben. Umwelt, Essverhalten und Technologien sind im Wandel. »

Für seine zwei Rollen verbringt Claude Winter zwei Tage pro Woche bei Sproudz in Zollikofen (BE) und die übrigen Tage an weiteren fenaco Standorten. Er nimmt an Messen teil, engagiert sich in Gremien wie United Against Waste, Swiss Food Research oder der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, tauscht sich aus mit Hochschulen sowie mit Interessierten aus der ganzen Welt. Sein Netzwerk und die gewonnenen Einblicke gibt Claude Winter an Partner-Startups und an seine Kolleginnen und Kollegen in der Division Lebensmittelindustrie weiter – und sorgt gleichzeitig für den Austausch zwischen den beiden Welten.

Vom Prognosemodell zum Fruchtpüree

Seit drei Jahren lebt Claude Winter dieses Arbeitsmodell – vorgezeichnet war es jedoch nicht. Aufgewachsen im idyllischen Immensee (SZ) am Zugersee, war für ihn klar: Er wollte einen Beruf, in dem er im Freien mit den Händen anpacken kann. So startete er mit einer Lehre als Landschaftsgärtner. Im Anschluss absolvierte Claude Winter ein Studium an der ZHAW Wädenswil. In seiner Bachelorarbeit fokussierte er sich auf die jährlichen Produktionsschwankungen bei Steinobst: Für den Schweizer ­Obstverband (SOV) entwickelte Claude Winter ein Prognosemodell, durch das sich Produktion und Absatz von Tafelkirschen besser aufeinander abstimmen lassen.

So wurde Inoverde aufmerksam auf den jungen Forscher: Claude Winter erhielt den Auftrag, als Freelancer die Qualitätsparameter für Kirschen in der Obsthalle Sursee zu bestimmen. Seine Faszination für die Lebensmittelbranche wuchs, seine Neugierde auch. Es folgte ein Masterstudium in Agrarwissenschaften mit Vertiefung in Agrarökonomie an der ETH Zürich. Das Praktikum absolvierte er wiederum bei einem Unternehmen der fenaco: bei frigemo in Cressier (NE). «Am Anfang war alles fremd, sogar die Sprache», schmunzelt Claude Winter. Bei frigemo optimierte er die Verpackung und reduzierte Kunststoff. Danach kam der nächste Schritt: Aus dem Werkstudenten wurde ein Festangestellter und Claude Winter wechselte als Projektleiter zu f-INAL.

Claude Winter
« Gemeinsam können wir mit kleinen, gezielten Schritten viel bewegen. »

Der Kreis schliesst sich

Drei Jahre später übernahm er die Leitung der Innovationseinheit und wurde Geschäftsführer von Sproudz. In dieser Funktion schloss sich der Kreis zu einem Thema, das ihn schon im Bachelorstudium besonders umgetrieben hatte: Wie lassen sich produzierte Lebensmittel möglichst umfassend verwerten und der menschlichen Ernährung zuführen? Ende 2025 stiess mit PureUp das jüngste Startup zu Sproudz. PureUp stellt aus Ernteüberschüssen Fruchtpürees her. «Für mich ist das ein Musterbeispiel für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion», erklärt Claude Winter.

Kreisläufe sinnvoll schliessen und Synergien nutzen sind wichtige Themen für ihn. Bei Sproudz zeigt sich das im Kleinen, wenn sich zum Beispiel Infrastruktur gemeinsam nutzen lässt. Oder in Form leckerer Produkte, etwa wenn Bakery Bakery, ein anderes Jungunternehmen bei Sproudz, die Fruchtfüllung für seine veganen Donuts bei PureUp bezieht.

Energie für seine Arbeit findet Claude Winter beim Holzen im Wald oder in der Küche. Auch hier zeigt sich seine Neugierde: Er probiert leidenschaftlich gerne neue Rezepte aus. Sogar der Verwaltungsrat von Sproudz kommt jeweils in den Genuss von seinen Kochkünsten. In zwei Tagen findet die nächste Sitzung statt. Zum Lunch wird Claude Winter eine Pasta mit pflanzlicher Bolognese servieren. «Der tägliche Austausch mit all den begeisterten Menschen motiviert mich. Gemeinsam können wir mit kleinen, gezielten Schritten viel bewegen.»

Über Sproudz

Bei Sproudz in Zollikofen (BE) skalieren junge Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung ihrer Produkte. In unmittelbarer Nähe befinden sich Gourmador, frigemo und die Hochschule BFH-HAFL. Die Startups teilen sich je nach Bedarf Produktionsflächen, Anlagen und Büros. Gleichzeitig können sie die Kompetenzen der fenaco nutzen, zum Beispiel in der Logistik oder im Finanzwesen. Dieser gemeinschaftliche Ansatz sowie das wertvolle Netzwerk zeichnen Sproudz aus. Von Anfang an dabei und den Food-Hub mitkonzipiert hat Bakery Bakery, die erste vegane Bäckerei in der Schweiz. Ebenfalls seit dem Start an Bord war Outlawz Food, das Produkte auf Seitanbasis hergestellt hat. Als eigenständige Firma hat sich das Geschäftsmodell nicht bewährt. Die Produktionslinien und Mitarbeitenden wurden im Juli 2026 von frigemo übernommen und werden dort weitergeführt. «Das ist Teil unseres Ansatzes: Nicht jedes Konzept trägt. Umso wichtiger ist ein Umfeld, in dem wir Ideen zügig umsetzen und im Markt testen können. Und ohne Veränderung geht es langfristig sowieso nicht», sagt Claude Winter dazu. Seit Ende 2025 bei Sproudz dabei ist das Startup PureUp. Es verarbeitet Überschüsse aus der Ernte von Schweizer Obstproduzentinnen und -produzenten zu hochwertigen Fruchtpürees.

www.sproudz.ch

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