Direkt zum Inhalt

Story 3 Minuten

Wenn Wandel leise Fahrt aufnimmt

TRAVECO treibt in Nebikon (LU) die Elektrifizierung der fenaco Logistik voran.

Mit dem ersten grossen Ladepark für Elektrolastwagen zeigt der Standort von TRAVECO in Nebikon (LU), wie die fenaco die Elektrifizierung der Logistik konkret umsetzt.

Ein neuer Tag beginnt im Logistikzentrum von TRAVECO in Nebikon (LU). Frühmorgens machen sich die ersten Lastwagen auf den Weg; mit schwerem Motorenbrummen fahren sie davon. Immer öfter wird die gewohnte Geräusch­kulisse jedoch von einem leisen Surren durchbrochen. Seit Sommer 2025 ist hier der bislang grösste Ladepark für Elektrolastwagen der fenaco in Betrieb: In einer ersten Phase entstanden fünf Schnellladestationen mit zehn Ladepunkten sowie die nötige Infrastruktur mit Trafostationen und Batterie­speicher. Derzeit sind fünf Elektrofahrzeuge im Einsatz.

Bei der schrittweisen Umstellung der iTRAVECO Flotte auf E-LKW geht es nicht nur um neue Fahrzeuge, sondern vor allem um deren Versorgung mit Strom. «Zuerst mussten wir klären, was überhaupt möglich ist», sagt Michael Gfeller von fenaco Areale und Technik. Die Dienstleistungseinheit ist die Netzbetreiberin auf dem Areal. «Wenn man so viel Energie braucht, muss diese erst einmal verfügbar sein.» Philipp Weiss, Projektleiter von ­AGROLA, ergänzt: «Es geht darum, die richtige Menge Energie zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben.»

Infrastruktur mit Weitblick 

Das Vorhaben war für alle Beteiligten Neuland. Anfänglich getroffene Annahmen wurden im Projektverlauf geschärft. Eine Ana­lyse zeigte etwa: Zu Beginn wird vor allem nachts geladen, da die Fahrzeuge tagsüber im Einsatz sind – der Bedarf am Tag ist entsprechend gering. Mit wachsender Elektroflotte dürfte sich ein Teil der Ladevorgänge jedoch in den Tag verlagern, etwa durch Zwischenladungen von Fahrzeugen anderer Standorte. «Bis 2030 wollen wir rund 75 % der Flotte elektrifiziert haben. Darum haben wir die Infrastruktur bewusst so dimensioniert, dass sie sich dem Bedarf anpassen kann», sagt Patrick Müller, damaliger Projektleiter, heute Bereichsleiter Lager­logistik bei TRAVECO.

Neuer Antrieb, neue Routinen 

Für Chauffeurinnen und Chauffeure verändert sich mit dem E-LKW weit mehr als nur der Antrieb. Die Fahrzeuge sind leiser und lassen sich insbesondere im Stop-and-Go-Verkehr angenehmer fahren. «Es ist entspannter. In der Kabine ist es ruhiger, die Kraft des Fahrzeugs entfaltet sich unmittelbarer», sagt Angela Villiger. Sie ist Fahr- und Sicherheitstrainerin bei TRAVECO. Gleichzeitig erfordert die neue Antriebsform mehr Planung: Wie weit reicht die Batterie? Wann lässt sich eine Pause mit dem Laden verbinden? Wie wirken sich der Streckenverlauf, das Ladegewicht oder die Energierückgewinnung beim Bremsen auf den Energieverbrauch aus?

Dadurch verändert sich die Rolle der Fahrerinnen und Fahrer. «Dafür müssen wir unsere Mitarbeitenden motivieren», sagt Angela. Wer elektrisch unterwegs ist, fährt und plant anders. Gerade für erfahrene Chauffeurinnen und Chauffeure ist das eine Umstellung. Viele bringen jahrelange Diesel­praxis mit, entsprechend gibt es auch Vorbehalte. Angela kennt das aus der Praxis: «Viele haben Diesel im Blut», lacht sie. Gleichzeitig erlebt sie, wie sich die Haltung verändert, sobald jemand selbst mit einem E-LKW unterwegs war. «Wer sich darauf einlässt, kann das Fahren richtig geniessen.»

Angela Villiger, Fahr- und Sicherheitstrainerin bei TRAVECO
« Wer sich auf den E-LKW einlässt, kann das Fahren richtig geniessen. »

Nebikon als Modell für die Zukunft

Für die erfolgreiche Elektrifi­zierung des Transportwesens braucht es also begeisterte Chauffeurinnen und Chauffeure. Und es braucht Projekte wie Nebikon. Für das Gelingen entscheidend war mitunter das enge Zusammenspiel verschiedener Bereiche der fenaco: fenaco Areale und Technik war für das Netz, die Leitungen und die Trafostationen zuständig. AGROLA übernahm die Lieferung und die Inbetriebnahme der Lade­infrastruktur, der Batteriespeicher und des intelligenten Steuerungssystems. TRAVECO wiederum brachte die betriebliche Perspektive ein. «Es war nicht einfach ein Bauprojekt, sondern ein Organisationsprojekt», sagt AGROLA Projektleiter Philipp. «Viele unterschiedliche Stellen waren involviert. Genau das hat das Projekt anspruchsvoll, aber auch erfolgreich gemacht.»

Nebikon ist mehr als ein Ladepark. Die Erfahrungen aus Planung, Bau und Betrieb fliessen in weitere Projekte ein, etwa in die Ladeparks beim Agrarkompetenzzentrum in Lyssach (BE) und bei Ernst Sutter in Bazenheid (SG). «Heute setzen wir vergleichbare Projekte viel schneller um», sagt
Philipp. Was in Nebikon entstanden ist, dient damit nicht nur dem Standort selbst, sondern der gesamten Gruppe. Und es zeigt, wie die Elektrifizierung der Logistik in der fenaco konkret umgesetzt wird.

Newsletter
Newsletter
Möchten Sie am Ball bleiben und stets erfahren, was bei der fenaco Genossenschaft läuft?
Ja, anmelden