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«Für Familienbetriebe sind Genossenschaften besonders wichtig»

Michael Feitknecht, Vorsitzender der Geschäftsleitung der fenaco, spricht über Chancen und Herausforderungen, die sich für die fenaco-LANDI Gruppe abzeichnen.

Michael Feitknecht, Vorsitzender der Geschäftsleitung der fenaco, spricht über Chancen und Herausforderungen der Schweizer Landwirtschaft und darüber, welche Rolle internationale Kompetenz, Infrastruktur und Gesundheit für die Zukunft der fenaco-LANDI Gruppe spielen.

Seit Juli 2025 sind Sie Vorsitzender der fenaco Geschäftsleitung. Wie sind Sie eigentlich zur fenaco gekommen?

Michael Feitknecht: Das fängt bei meiner Herkunft an. Ich bin auf einem Bauernhof im Tessin aufgewachsen. Meine Geschwister sind in der Landwirtschaft tätig. Während des Agronomiestudiums an der ETH Zürich kam ich dann bewusst in Kontakt mit der fenaco. Den beruflichen Einstieg fand ich bei Syngenta, bevor ich 2018 bei der fenaco die Leitung von Agroline übernahm. 2020 kam die Leitung des Departements Pflanzenbau dazu und ich wurde Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung.

Wo sehen Sie die Schweizer Landwirtschaft heute? Was läuft gut, wo gibt es Herausforderungen?

Der Agrarbericht 2025 des Bundesamts für Landwirtschaft stellt uns in vielerlei Hinsicht ein gutes Zeugnis aus. Zum Beispiel beim Absenkpfad: Schon heute werden 55 % der Schweizer Ackerfläche ohne Insektizide und Fungizide bewirtschaftet. Wir sind also gut unterwegs, die Risiken, die mit dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln einhergehen, bis 2027 zu halbieren. Bei den Nährstoffen ist es ein ähnliches Bild. In den letzten zehn Jahren wurde der Mineraldüngereinsatz um 30 % reduziert. Das ist enorm. Gleichzeitig müssen wir aufpassen, dass diese Entwicklung nicht auf Kosten von Qualität und Produktivität geht. Der tiefe Selbstversorgungsgrad von aktuell 42 % hingegen bereitet mir Sorgen. Grund dafür sind die unsicheren Erträge im Pflanzenbau. Für die Ernährungssicherheit in der Schweiz ist die inländische Produktion sehr wichtig, und dafür wollen wir uns als fenaco einsetzen.

Michael Feitknecht
« Wichtig ist mir, dass wir dort in die Innovation investieren, wo sie der landwirtschaftlichen Praxis dient.
»

Wie kann die fenaco einen Beitrag leisten?

Die Versorgungssicherheit in der Schweiz verbessern wir, indem wir dazu beitragen, dass die Landwirt­innen und Landwirte nachhaltig und profitabel arbeiten und ihre Unternehmen entwickeln können. Dabei hilft uns unsere Grösse. Sie gibt uns Verhandlungsspielraum gegenüber den oft internationalen Akteuren auf dem Beschaffungsmarkt und dem starken Detailhandel in der Schweiz. Als Genossenschaft der Schweizer Landwirtinnen und Landwirte können wir zwar nicht die Marktmechanismen und das Zusammenspiel zwischen Angebot und Nachfrage aushebeln, aber wir können für unsere Mitglieder wichtige Leistungen entlang der Wertschöpfungskette erbringen. Wir gleichen Schwankungen an den Beschaffungsmärkten aus, zum Beispiel beim Dünger. Wir schaffen effiziente ­Strukturen für die Vermarktung, wie etwa mit dem System ­Maxi im Getreidemarkt, und investieren in die landwirtschaftliche Infrastruktur. Und nicht zuletzt bringen wir praxisnahe Innovation via die LANDI auf die Landwirtschaftsbetriebe. Dass unsere Leistungen sehr geschätzt werden, zeigt die Genossenschafts­umfrage 2025.

Dann spielt Innovation auch eine wichtige Rolle in der neuen Strategie, die der Verwaltungsrat mit Ihrem Amtsantritt in Kraft gesetzt hat?

Absolut. Wichtig ist mir, dass wir dort in die Innovation investieren, wo es der landwirtschaftlichen Praxis dient. Starke Beispiele sind unsere Innovationsplattform Innovagri, mit der wir vielversprechende Technologien im alternativen Pflanzenschutz auf die Landwirtschaftsbetriebe bringen. Oder der Innovations-Hub Sproudz in Zollikofen (BE), mit dem wir Lebensmittel-Startups fördern, die Schweizer Rohstoffe verarbeiten. Erfolgreich sind wir auch mit den smarten Microgrid-Lösungen von AGROLA unterwegs. Sie machen Landwirtschaftsbetriebe zu Energieproduzenten und in der Energieversorgung unabhängiger. Und dann setzen wir natürlich weiterhin auf unsere Forschungskooperationen mit Partnern aus der Wissenschaft, wie Agroscope, ETH, FiBL und ­BFH-HAFL.

Welche Schwerpunkte setzt die neue Strategie sonst noch?

Wir haben drei Entwicklungsfelder definiert. Erstens: das internationale Geschäft. Wir haben diese Kompetenzen schon in der Vergangenheit aufgebaut und sehen noch mehr Potenzial. Mit der internationalen Schwungmasse und dem grenzüberschreitenden Wissenstransfer stärken wir die Versorgungssicherheit in der Schweiz. Unser Fokus bleibt Europa. Zweitens: die Infrastruktur. Für uns als Handels- und Produktionsunternehmen sind die knapper werdenden Raumreserven in der Schweiz eine Herausforderung. Darum wollen wir in der Entwicklung und Bewirtschaftung unserer Immobilien noch fitter werden. Das Thema Infrastruktur ist auch für das Energiegeschäft von AGROLA wichtig. Strom als Energiequelle gewinnt an Bedeutung. Oft wird er dezentral produziert. Damit er vernetzt und effizient genutzt werden kann, braucht es die richtige Infrastruktur und die passenden Technologien. Hier wollen wir investieren.

Und drittens?

Die Gesundheit für Umwelt, Mensch und Tier. Es ist ein Zukunftsthema, das uns alle betrifft. Als fenaco wollen wir gesunde Lebensmittel anbieten, die verantwortungsvoll produziert wurden. Ebenso spielt die Tiergesundheit eine wichtige Rolle – bei Nutz- wie bei Haustieren. Das Haustier­segment in den LANDI Läden wächst. Wir wissen durch UFA und Ufamed, dass es bei der Versorgung von Nutztieren Lücken gibt. Das ist eine Chance für uns. Wichtig ist mir aber auch: Wir haben unsere Strategie weiterentwickelt, nicht komplett neu ausgerichtet.

Wie meinen Sie das?

Unser genossenschaftlicher Zweckauftrag bleibt unverändert: Wir unterstützen die Landwirtinnen und Landwirte bei der wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Unternehmen – in verbindlicher Partnerschaft mit den LANDI. Und wir setzen weiterhin auf krisenresistente Geschäftsmodelle, die essenzielle Bedürfnisse der Menschen adressieren. Auch an unseren vier Geschäftsfeldern – Agrar, Lebensmittelindustrie, Detailhandel und Energie – halten wir fest.

Wie sehen Sie die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft und der fenaco-LANDI Gruppe?

Ich bin zuversichtlich für unsere Landwirtschaft. Die Bevölkerung vertraut den Landwirtinnen und Landwirten und konsumiert gerne regionale Produkte. Wir haben günstige klimatische Bedingungen im Vergleich mit anderen Ländern. Zudem ist die Schweiz führend in der Agrarforschung, und unsere Bäuerinnen und Bauern sind dank hervorragender Ausbildung gut auf neue Situationen und Herausforderungen vorbereitet. Das Modell des Familienbetriebs sorgt für Stabilität in der hiesigen Landwirtschaft. Für Familienbetriebe sind Genossenschaften besonders wichtig, denn sie übernehmen Aufgaben, die ein einzelner Betrieb nicht leisten kann. Darum bin ich überzeugt, dass es die fenaco und die LANDI auch in Zukunft braucht.

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