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Landwirtinnen der neuen Generation

Vor drei Jahren hat Amandine Sauty ihre Stelle im Sport-Eventbereich aufgegeben und den Familienhof in Denens übernommen. Sie kümmert sich um zwanzig Mutterkühe sowie 46 Hektaren Land und engagiert sich ausserdem im Verwaltungsrat von LANDI La Côte.

Vor drei Jahren hat Amandine Sauty ihre Stelle im Sport-Eventbereich aufgegeben und den Familienhof in Denens übernommen. Sie kümmert sich um zwanzig Mutterkühe sowie 46 Hektaren Land und engagiert sich ausserdem im Verwaltungsrat von LANDI La Côte. 

In Denens sieht man schon von Weitem die auf den Hofsilo gemalten Wolken. Amandine Sauty würde momentan lieber echte Wolken aufziehen sehen, solche, die Regen bringen. Sie steht vor einer schwarz verbrannten Parzelle und begutachtet den Schaden, den ein Brand vor einigen Wochen angerichtet hat. Sie plant, dort Gras zu säen, aber wird das Weideland Brand-Geschmack haben und für ihre Herde ungeniessbar sein?

«Das Feld war schon abgeerntet und der Weizen geliefert. Doch als wir das Stroh ernten wollten, das wir im Winter als Einstreu verwenden, verursachte die Rundballenpresse vermutlich den Brand. Es war sehr heiss und trocken und das Feuer breitete sich in einem Wahnsinnstempo aus», erinnert sie sich. Die Solidarität unter den Landwirten zeigt sich rasch. Mehrere Landwirte kamen mit ihren Eggen, um das Feuer zu dämmen und aufzuhalten. Am Ende waren etwa hundert Strohballen in Flammen aufgegangen, also etwa die Hälfte des Jahresbedarfs für die Kühe. 

Wie viele andere Landwirtinnen und Landwirte muss sich auch Amandine Sauty unvorhersehbaren Herausforderungen stellen. Ebenfalls nicht ganz vorgesehen war die Übernahme des Familienbetriebs. Nach ihrem Diplom an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Yverdon, baute sie sich zunächst eine Karriere im Sportevent-Bereich auf. Im Jahr 2020 reduzierte sie ihr Pensum auf 50 Prozent, um mehr Zeit auf dem Hof zu investieren. «Und nach drei Jahren Spagat zwischen zwei gegensätzlichen Welten war für mich Zeit, voll und ganz in der Landwirtschaft durchzustarten», hält sie fest. 

Die Vierzigjährige leitet heute einen 46 Hektare grossen Betrieb mit Weizen-, Raps-, Sonnenblumen- und Maiskulturen und einer Herde von rund dreissig Rindern. Agrarproduktion, Versorgung der Tiere, Buchhaltung und administrative Aufgaben: Die Tage sind abwechslungsreich und mit viel Verantwortung.

Solidarität in der Landwirtschaft

Auch wenn sie bei den Landwirtschaftskenntnissen im Vergleich zu gewissen Kolleginnen und Kollegen «fünfzehn Jahre Rückstand» hat, bringt Amandine Sauty im Gegenzug wertvolles Wissen in den Bereichen Verwaltung, Informatik und Finanzen mit. Kompetenzen, die ihr ermöglichen, den Hof gleichsam mit dem Blick einer Geschäftsführerin wie mit dem Blick einer Landwirtin zu führen.

«Mechanik interessiert mich nicht besonders und es fehlt mir die körperliche Kraft für gewisse grosse Landwirtschaftsgeräte», gibt sie zu. «In solchen Fällen muss man um Hilfe bitten können. In der Landwirtschaft gibt es echte Solidarität.»

Sie erinnert sich an einen «Anfängerfehler», der einige Konsequenzen hätte haben können. Bei einer zu kurzen Wendung mit ihrem Traktor blockierte sie eine Sämaschine mitten auf einem Feld. «Das passierte an einem Freitag gegen halb sechs am Abend. Ein Unternehmen hätte mit einem Kran kommen können, aber erst am Montagmorgen. Ich hatte Panik, vor allem, weil die Sämaschine bei mir festsass und andere Landwirte auf sie warteten.» Ein kurzer Hilferuf genügte: Ein Kollege kam mit seinem Traktor samt Teleskoplader. «Mit einem einzigen Manöver hat er meinen Traktor wieder in die richtige Achse gebracht. Eine Stunde später konnte die Sämaschine bereits weiter zum nächsten Landwirt. »

Hilfe ist stets gegenseitig. Wenn es nämlich darum geht, eine Maschine einzustellen, eine Einstellung zu optimieren oder ein Informatikproblem zu lösen, ist Amandine Sauty für ihre Kolleginnen und Kollegen sofort zur Stelle.

Den eigenen Platz in den Führungsgremien finden

Ihre Verwaltungskompetenzen öffneten ihr auch die Türen zum Verwaltungsrat der LANDI La Côte, dem sie 2024 beitrat. «Ich wurde sehr gut aufgenommen und das Team ergänzt sich», unterstreicht sie. Frauen in Führungsgremien müssten sich vor allem vom Imposter-Syndrom befreien. «Wenn wir in bestimmte Funktionen gewählt werden, dann, weil wir kompetent sind. »

Führen Frauen einen Landwirtschaftsbetrieb anders als Männer? Amandine Sauty glaubt das nicht, auch wenn Frauen ihrer Ansicht nach grosses Organisationstalent und vielseitige Begabungen besitzen. «Meine Mutter machte den Haushalt und auch die Buchhaltung des Betriebs und arbeitete zudem auch noch auf dem Hof mit. Heutzutage ist eine neue Generation von Landwirtinnen zu 100 Prozent im Beruf: Sie fahren Traktor, kümmern sich um die Tiere und packen überall im Betrieb an.»

Amendine Sauty
Amandine Sauty, Landwirtin und Verwaltungsrätin bei LANDI La Côte
« «Ich habe einen sehr schönen Beruf und meinen Platz gefunden.» »

Vertrauen in die Zukunft

Sie denkt nicht, dass sie den Hof anders führt als ihr Vater. «Vielleicht bin ich etwas mehr bei den Kühen. Um meine Arbeit richtig zu machen, muss ich die Tiere lieben, auch wenn dies den Gang zum Schlachthof dann schwieriger macht.» In der Übergangsphase unterstützt sie ihr Vater, der immer bereit ist, seine Erfahrungen zu teilen. «Wenn ich ihn um Rat frage, antwortet er oft: ‹Du bist die Chefin.› Und ich gebe zurück: ‹Ja, aber du bist der Experte!› »

Amandine Sauty blickt zuversichtlich in die Zukunft der Landwirtschaft, auch wenn sie gewisse Entwicklungen beunruhigen. «Manchmal habe ich das Gefühl, dass es einen Widerspruch gibt zwischen den Erwartungen der Gesellschaft und den politischen Massnahmen. Auf der einen Seite wird eine lokale und nachhaltige Produktion gewünscht; auf der anderen Seite haben wir Landwirte manchmal den Eindruck, zugunsten der Wirtschaft geopfert zu werden. Und dann gibt es die Herausforderungen des Klimawandels: Müssen wir unsere Kulturen in den nächsten Jahren anpassen?»

Diese Fragezeichen stellen ihr Wirken aber nicht infrage. «Ich habe einen sehr schönen Beruf und meinen Platz gefunden.» Situationen wie die schwierige Geburt eines Kalbs ein paar Tage zuvor, die Amandine eigenständig und erfolgreich meistern konnte, bestätigen ihr immer wieder, dass ihre Entscheidung richtig war.

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