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Story

Seine Kartoffeln lassen keinen Wunsch offen

Robert Beutler, Landwirt in Yvonand (VD), hat einen Teil seiner Kartoffelproduktion auf IP Suisse umgestellt.

Robert Beutler, Landwirt in Yvonand (VD), hat einen Teil seiner Kartoffelproduktion auf IP Suisse umgestellt. Dies erforderte verschiedene, vom Label vorgeschriebene Massnahmen. Da er sich für eine Unkrautbekämpfung mit Herbiziden entschieden hat, darf er keine chemische Krautvernichtung durchführen.

Robert Beutler sitzt vor seinem Computer und schaut sich die Wettervorhersage an, die für die nächsten Tage den Arbeitsplan für seine Kartoffelkulturen bestimmen wird. «Eigentlich hätte ich ein vorauflaufendes Herbizid einsetzen sollen, aber aufgrund des nassen Wetters konnte ich nicht früher auf die Felder gehen. Ich musste meinen Behandlungsplan anpassen», erklärt er. Der Waadtländer Landwirt (49) bewirtschaftet seinen 100 Hektaren grossen Betrieb mit zwei Lehrlingen und seinem 82-jährigen Vater. Dieser hat ihm den Betrieb übergeben, packt aber immer noch mit an, was äusserst willkommen ist. Vor zwei Jahren hat sich Robert Beutler mit einem anderen Produzenten aus Yvonand zusammengeschlossen. Seine Ehefrau Martine kümmert sich um die Buchhaltung und die Abrechnungen. Zudem stellt sie mit Milch und Eiern vom Hof Speiseeis her. «Wir produzieren traditionell mit Früchten und Beeren aus der Region», betont Martine Beutler. Die Glacé-Sorten werden auf Nachfrage der Kundschaft angepasst und frisch zubereitet. Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher, welche sich an der Tiefkühltruhe im Hofladen bedienen, beweisen, dass das Konzept funktioniert.

Kartoffeln nach den Richtlinien von IP Suisse
Ausser Getreide, Mais und Randen produziert Robert Beutler auf 11,5 Hektaren Kartoffeln. Seit diesem Jahr werden auf zwei Hektaren Kartoffeln nach den Richtlinien von IP Suisse angebaut. Sie sind für Coop bestimmt. Der Grossverteiler hat nämlich entschieden, das gesamte Kartoffelangebot umzustellen und nur noch Kartoffeln zu verkaufen, die nach den Richtlinien von IP Suisse produziert werden. «Die Produzentinnen und Produzenten haben keine andere Wahl, als den Wünschen der Konsumentinnen und Konsumenten nachzukommen », unterstreicht Rachel Perret. Sie ist als Agrotechnikerin bei fenaco Landesprodukte tätig, begleitet die Landwirtinnen und Landwirte durch die verschiedenen Anbauphasen und steht ihnen auf Wunsch mit Rat und Tat zur Seite. «Seit zwanzig Jahren baue ich IPSuisse- Weizen an und kenne die Anforderungen. Somit konnte ich problemlos auch einen Teil der Kartoffel-Produktion umstellen», meint Robert Beutler. Die Einhaltung des IP-Suisse-Labels erfordert die Umsetzung mehrerer spezifischer Massnahmen zur Förderung der Biodiversität und zum Schutz der natürlichen Ressourcen. Für jede umgesetzte Massnahme gibt es eine bestimmte Anzahl von Punkten. Für eine IP-Suisse-Zertifizierung ist ein Zielwert von 17 Punkten erforderlich. Eine der wichtigsten Änderungen in der Anbaumethode besteht darin, dass die Landwirtinnen und Landwirte auf eine chemische Entkrautung verzichten müssen. Wird hingegen eine mechanische Unkrautbekämpfung angewendet, kann eine chemische Krautabtötung vorgenommen werden. Robert Beutler hat sich für die erste Variante entschieden. «Ich hoffe, die Kartoffelpflanzen verlieren das Kraut möglichst bald auf natürliche Weise, damit sie rasch reifen und schalenfest werden.» Ist dies nicht der Fall, kann das Kraut abgebrannt oder mit Fettsäure behandelt werden. Diese Techniken werden jedoch selten eingesetzt, da sie spezielle Hilfsmittel erfordern und einen viel höheren Energieverbrauch aufweisen. Dies schlägt sich auf den Kosten nieder. 

Höhere Risiken
Der Waadtländer baut verschiedene Kartoffelsorten an. Im konventionellen Anbau hat er sich zum Beispiel für Celtiane und Premium entschieden. Auf den IP-Suisse-Flächen setzt er auf Erika. «Es gibt resistente Sorten, aber sie müssen geschmacklich überzeugen und von den Konsumentinnen und Konsumenten nachgefragt werden », unterstreicht Robert Beutler. Die Produktionsrisiken nach den Richtlinien von IP Suisse sind vor allem in Bezug auf die Lagerkrankheiten höher: «Bei einer chemischen Entkrautung wird zusätzlich ein Fungizid beigefügt. Dies führt zu einer besseren Lagerfähigkeit der Kartoffeln.» Die Wertschöpfung für IP-Suisse- Kartoffeln liegt bei CHF 4.50 pro 100 Kilogramm, wobei das Risiko der Methodenwahl und die bienenfreundlichen Wiesen mit viel Biodiversität bereits mitberücksichtigt sind.

Bei Erosion mulchen
Die Kartoffeln der Sorte Erika wurden am 20. April 2021 gepflanzt, aber Robert Beutler hat mit den Vorbereitungsarbeiten für das IP-Suisse- Label bereits 2020 begonnen. «Am 27. Juli 2020 habe ich nach der Getreideernte eine Stoppelbearbeitung durchgeführt und danach am 8. August 2020 die Gründüngung UFA Alpha ausgebracht, eine Mischung aus Alexandrinerklee, Perserklee und Phacelia, die die Anbaufläche im Winter bedeckt», ergänzt er mit einem Blick in sein Ernteprotokoll. Nachdem er die Fläche Anfang März 2021 gepflügt hatte, wurde der Boden gestriegelt und belüftet, bevor er die Kartoffeln pflanzte. Seither besucht er die Felder zweimal die Woche, um zu überprüfen, ob sich Anzeichen für Erosion zeigen. Besteht eine Gefahr, muss gemulcht werden. Die Fungizidbehandlung wird abhängig von der Witterung durchgeführt. Vor der für Mitte August geplanten Ernte kontrolliert Robert Beutler mehrmals auch die Knollengrösse, um sicherzustellen, dass seine Kartoffeln den Marktanforderungen genügen. Unterstützt von seiner Ehefrau und seinem Vater benötigt er fürs Ernten und Sortieren seiner rund 350 Tonnen Speisekartoffeln rund drei Wochen. Anschliessend werden die Kartoffeln an die Verarbeitungsanlage der Kartoffelzentrale von fenaco Landesprodukte in Bercher (VD) geliefert. Die IP-Suisse- Ernte wird in Räumlichkeiten gelagert, die ausschliesslich für Kartoffeln bestimmt sind, die nach den Richtlinien von IP Suisse produziert wurden.

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Der Betrieb im Überblick

Gemeinde: Yvonand (VD)
Höhe: 438 m ü. M.
Fläche: 100 Hektaren
Kulturen: Beeren, Gerste, Mais, Sonnenblumen, Raps, Kartoffeln, Randen und Wiesen
Tiere: 80 Kühe und 150 Hühner
LANDI: Mitglied des Centre Agricole d'Yvonand Genossenschaft

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