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Story

Der « Beeripuur » aus Schwyz

Seit sechs Jahren führt Martin Kündig den Früchtehof Sagenmatt in Schwyz (SZ). Dort produziert er Beeren, Obst und Gemüse. Mit dem Vertrieb seiner Produkte ab Hof macht er gute Erfahrungen.

Seit sechs Jahren führt Martin Kündig den Früchtehof Sagenmatt in Schwyz (SZ). Dort produziert er Beeren, Obst und Gemüse. Mit dem Vertrieb seiner Produkte ab Hof macht er gute Erfahrungen.

Mit flinken Händen setzt Martin Kündig einen Erdbeersetzling nach dem anderen in die Erde. Rund 45 000 davon pflanzen er und sein Team vom Früchtehof Sagenmatt in Schwyz jährlich an. Vor 40 Jahren ging es auf dem Betrieb noch ganz anders zu und her. Damals führte ihn sein Vater, Albert Kündig, zunächst mit Milchkühen, später mit Mastkälbern. Schliesslich stellten die beiden Männer den Betrieb auf Früchte- und Gemüseproduktion um. Vor sechs Jahren hat Sohn Martin die Leitung übernommen. «Wir arbeiten sehr gut zusammen, auch wenn es ab und zu Diskussionen gibt. Doch ich bin sehr stolz auf meinen Sohn», beschreibt Vater Albert Kündig die Zusammenarbeit.

Nicht immer war Martin Kündig klar, dass er sich dereinst als «Beeripuur» spezialisieren würde. Der 33-Jährige hatte ursprünglich Maurer gelernt und arbeitete danach als Vorarbeiter. Doch die Arbeit erfüllte ihn nicht und es zog ihn zurück auf den elterlichen Hof. Nach Abschluss des Nebenerwerbskurses übernahm er den Betrieb auf der Sagenmatt von seinem Vater. «Natürlich ist die Arbeit streng. Die Tage sind teilweise lang und die Verluste durch ungünstige Wettereinflüsse frustrierend. Ich möchte trotzdem nichts anderes mehr machen. Das Leben und die Arbeit hier sind für mich perfekt.» Er schätze die Abwechslung und die Verantwortung, die er für seine Produkte und das Land trage. Zehn Hektaren Land bewirtschaftet Kündig heute, drei davon in Pacht. «Mittlerweile steht unser Betrieb fast im Dorf, da immer mehr Grünfläche verbaut wird. Für unseren Hofladen ist das ein Vorteil, weil wir so näher an die Kundschaft rücken. Und es ist schön, auf einer eher kleinen Fläche effizient zu sein und eine gute Ernte zu erwirtschaften.» Seit über 30 Jahren betreibt die Familie den Hofladen. Vor kurzem hat Martin Kündig diesen eigenhändig erneuert. «Wir wollen unserer Kundschaft einen schönen, heimeligen Laden bieten», erklärt er. Wer nun den Hofladen des Früchtehofs Sagenmatt betritt, ist von Holz umgeben: Die Regale, bestückt mit frischen Früchten, knackigem Gemüse und selbstgemachter Konfi, die Verkaufstheke und der Karren, der als dekorative Stellfläche für den Kühlschrank dient, sind aus Holz gefertigt. Die meiste Zeit wird die Kundschaft bedient. Während der Nebensaison setzt Martin Kündig auf Selbstbedienung: «Wir haben damit bisher gute Erfahrungen gemacht», erzählt er.

« In der Krise wollen die Kundinnen und Kunden am liebsten alles ab Hof kaufen. »
Martin Kündig, Direktvermarkter aus Schwyz

Direktvermarktung als zentrales Standbein
Während der Sommermonate herrscht Hochbetrieb auf der Sagenmatt. Dann sind die Beeren, Zwetschgen und Kirschen reif. «Zu Spitzenzeiten sind wir ein neunköpfiges Team beim Ablesen. 70-Stunden-Wochen sind dann völlig normal.» Zum ständigen Team gehören Betriebsleiter Martin Kündig, sein Vater und Stellvertreter Albert Kündig, die Mitarbeiterin Nadine Betschart und Pawel Bielanski, ein Saisonier im achten Jahr. Sie pflücken heute alles selber und stellen die Produkte bereit. Früher konnten die Kundinnen und Kunden ihre Erdbeeren selber pflücken, was dem Team etwas entgegen kam. «Das funktioniert heute leider nicht mehr, da die Leute oft nicht dann pflücken, wenn die Früchte reif sind», erklärt Martin Kündig. Dadurch würde zu wenig bzw. zu unregelmässig geerntet und man könne die Ernteschübe nicht auffangen. Der Verkauf im Hofladen funktioniere aber sehr gut. «Frisch geerntete Produkte, die nicht am selben Tag verkauft werden, bieten wir am nächsten Tag als Zweitklassgemüse zum halben Preis an. Meist findet auch das Abnehmerinnen und Abnehmer, sodass wir kaum Foodwaste zu beklagen haben», freut sich Martin Kündig. Trotz der Sorgfalt könne es vorkommen, dass einige Beeren zerdrückt oder etwas angeschlagen sind. «Dann sind wir natürlich kulant und ersetzen die Ware.» Oft komme das aber nicht vor. «Ich glaube, unseren Kundinnen und Kunden ist die Nähe sehr wichtig. Da sind sie sich auch bewusst, dass alles von Hand geerntet wird und somit auch einmal eine nicht perfekte Beere im Körbchen landen kann.» Für ihn gebe es keine andere Option als die Direktvermarktung. Dank der Direktvermarktung profitiere ein Betrieb seiner Grösse von einem besseren Preis und einer höheren Wertschöpfung auf dem Hof. «Wir produzieren die Rohstoffe hier, ernten sie auf unseren Feldern und verkaufen sie auch gleich auf der Sagenmatt.» 80 Prozent der Produkte werden im Hofladen verkauft. Mit den übrigen 20 Prozent beliefert Martin Kündig Metzgereien, Konditoreien und Restaurants in der Umgebung. Während des ersten Corona- Lockdowns im Frühling 2020 erlebte er einen immensen Ansturm auf seinen Hofladen. «Die Leute wollten plötzlich alles direkt ab Hof kaufen. Generell kam es mir vor, als würden wir Landwirte wieder mehr geschätzt. Viele winkten mir freudig zu, wenn ich mit dem Traktor vorbeifuhr.» Mittlerweile habe sich dieser Ansturm wieder gelegt. Immerhin: Gute zehn Prozent der neuen Kundschaft gehören heute zur Stammkundschaft

Erfinderisch und anpassungsfähig
Obwohl der Früchtehof Sagenmatt bereits unterschiedliche Kulturen bietet, probiert Martin Kündig gerne Neues aus. Seit kurzem verkauft er auch Spargeln. Vor drei Jahren hatte er mit der Aussaat begonnen, 2020 konnte er zum ersten Mal ernten. «Es war überwältigend!» schwärmt Kündig. «Die Spargeln waren innerhalb von zwei Stunden ausverkauft.» Eine unvermittelt hohe Nachfrage oder wetterbedingte Ernteschübe können allerdings schnell zur logistischen Herausforderung werden, insbesondere dann, wenn nicht jenes Produkt gefragt ist, welches im Übermass vorhanden ist. Martin Kündig will sich nicht beklagen, ihn freuen ertragreiche Ernten gleich doppelt. Denn die sind alles andere als selbstverständlich: Die Böden auf der Sagenmatt bieten weder die optimalen Bedingungen für das Anbauen von Beeren noch von Gemüse. «Da sich der Betrieb gleich unter dem Mythen befindet, sind die Böden sehr steinig. Dies erschwert deren Bearbeitung natürlich.» Doch er versteht es, sich den Gegebenheiten anzupassen. So hat er für eine grössere Ernte in einen speziellen Folientunnel investiert. Darin werden Schalen mit Erdbeersetzlingen aufgehängt. So fällt auch die Ernte leichter. Mit dem neuen System kann er zudem die Temperatur besser kontrollieren und gleichmässig wässern. «Eine solche Investition muss natürlich rentieren, aber ich bin da zuversichtlich.» Denn noch einmal wegzugehen von der Sagenmatt, das kommt für den Beeripuur nicht infrage.

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Der Betrieb im Überblick

Gemeinde Schwyz
Höhe 550 m ü. M.
Fläche 10 ha
Kulturen Anbau von: Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Zwetschgen, Chriesi, Pflaumen, Bohnen, Chefen, Gümmel, Zwiebel, Knoblauch, Spargeln, Gurken, Salat, Kohlrabi
LANDI Mitglied der LANDI Schwyz

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