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Story

Philipp Zgraggen: «Volg ist und bleibt Volg»

Stabswechsel bei Volg: Seit 1. September ist Philipp Zgraggen Chef des Detailhändlers. Im Interview skizziert er die Zukunft des Dorfladens.

Philipp Zgraggen: Interview

Am 1. September 2019 übernahm Philipp Zgraggen (45) den Vorsitz der Geschäftsleitung der Volg-Gruppe. Im Interview erzählt der neue Volg-Chef, wie die Zukunft des Dorfladens aussieht und was Volg für die Schweizer Landwirtschaft leistet.

Herr Zgraggen, Sie sind seit diesem Monat der neue Volg-Chef. Wie fühlt sich das an?

Philipp Zgraggen: Sehr gut! (lacht) Seit dem ersten Tag fühle ich mich sehr wohl bei Volg. Das liegt zu einem grossen Teil an den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die mich von Anfang an sehr willkommen geheissen haben.

Sie sind bereits seit einem Jahr in der Volg-Gruppe tätig, was hat Sie in dieser Zeit am meisten beeindruckt?

Philipp Zgraggen: Die Begeisterung und das grosse Engagement bei Volg beeindrucken mich täglich aufs Neue. Die Mitarbeitenden stehen hinter der Volg-Gruppe und das spürt man.

Wie spüren Sie das?

Philipp Zgraggen: Indem die einzelnen Mitarbeitenden sehr professionell arbeiten und in ihren jeweiligen Themenbereichen sehr tief drin sind. Die Volg-Mitarbeitenden versuchen alles möglich zu machen, damit es am Ende funktioniert.

Welche Veränderungen werden Sie in den nächsten Monaten konkret angehen?

Philipp Zgraggen: Volg ist gut aufgestellt. Wir haben ein frisches Ladenkonzept, einen neuen Aussen- und Internetauftritt sowie eine neue Werbekampagne. Es gibt nun Themen hinter den Kulissen, die wir kurz- und mittelfristig angehen werden. Dazu gehören unter anderem verschiedene Prozessanpassungen, Projekte im Verkauf, Arbeit an unserer digitalen Kompetenz und Optimierungen in den Sortimenten.

Kann man Volg denn noch optimieren?

Philipp Zgraggen: Mein Vorgänger Ferdinand Hirsig hat die Dorfläden in mancher Hinsicht optimiert. Seinen Ansatz gilt es nun Schritt für Schritt weiterzuführen. Bestehende Werte wie Frische, Freundlichkeit und Nähe möchte ich daher konsequent weiter fördern. Wichtig erscheint mir aus heutiger Sicht, dass wir unsere Sortiments-Eckpfeiler «Schweizer Produkte», die Volg-Eigenmarken und das Convenience-Angebot weiterentwickeln sollten. Doch all das wird Volg nicht grundlegend verändern. Volg ist und bleibt Volg.

« Bestehende Werte wie Frische, Freundlichkeit und Nähe möchte ich konsequent weiter fördern. »
Philipp Zgraggen, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Volg-Gruppe und Mitglied der Geschäftsleitung fenaco

Volg betreibt mit «Volg Naturena» Erlebniswelten, in denen die Bevölkerung die Landwirtschaft erfahren kann. Warum macht Volg das?

Philipp Zgraggen: Volg ist mit der Landwirtschaft eng verbunden. Die Schweizer Landwirtschaft ist für Volg essentiell und aufgrund der Herkunft von Volg sehr wichtig. Volg Naturena ist ein schönes Beispiel, wie wir das Thema Landwirtschaft und die Verbundenheit zur Natur der Bevölkerung näherbringen können. Vielen Menschen fehlt heutzutage der Bezug zum Lebensmittel. Einige wissen nicht mehr, woher ein Lebensmittel kommt, beziehungsweise wie es entsteht. Auf unseren Erlebnishöfen können wir den Besuchern zeigen, woher die Lebensmittel, die sie im Laden kaufen, stammen und auch wie viel Arbeit dahintersteckt. Mit Volg Naturena leisten wir so einen kleinen Beitrag, damit die Bevölkerung ihren Bezug zur Schweizer Landwirtschaft und zur Natur bewahren kann.

Mit dem Label «Feins vom Dorf» vertreibt Volg auch regionale Spezialitäten von ortsansässigen Produzenten. Wie nehmen das die Konsumenten auf?

Philipp Zgraggen: Das Label «Feins vom Dorf» kommt bei unseren Kunden sehr gut an. Das stelle ich übrigens auch immer wieder persönlich fest, da ich selber in einem kleineren Dorf wohne. Unter «Feins vom Dorf» verstehen wir bei Volg lokale Erzeugnisse und Spezialitäten, die von Produzenten direkt aus dem Dorf oder aus einem Nachbardorf des jeweiligen Volg-Ladens stammen, beispielsweise Eier direkt vom Bauer aus dem Dorf oder Molkereiprodukte aus der lokalen Käserei. Den geographischen Rahmen setzen wir bewusst deutlich enger, als dies bei «regionalen Produkten» üblich ist. Diese lokalen Produkte werden sehr geschätzt und konkretisieren den Bezug von Volg zur Dorfgemeinschaft.

Damit sorgen Sie auch für mehr Arbeitsplätze in den Regionen.

Philipp Zgraggen: Ja. Einerseits direkt mit den Volg-Läden und anderseits auch indirekt, indem wir einen Teil des Einkommens für die Produzenten sichern.

Was tut Volg sonst noch für die Schweizer Landwirtschaft?

Philipp Zgraggen: Die Nähe zur Schweizer Landwirtschaft spiegelt sich bei Volg nicht nur in der sehr engen und konstruktiven Zusammenarbeit mit den LANDI Genossenschaften wider, sondern auch im Sortiment: Über 70 Prozent der erhältlichen Produkte stammen aus der Schweiz, im Frischebereich sind dies sogar je nach Warengruppe bis zu 100 Prozent. Volg ist der erste und einzige Detailhändler, der nur Schweizer Eier anbietet. Beim Fleisch stammen 98 Prozent aus einheimischer Produktion. Wichtig ist, dass wir diese Swissness konsequent und stetig verfolgen – auch wenn die Verfügbarkeit aus dem Ausland manchmal besser und günstiger wäre.

Volg ist seit 2011 auch in der Romandie präsent. Wie laufen da die Geschäfte?

Philipp Zgraggen: Ich war kürzlich selber vom Jura bis ins Wallis unterwegs, und konnte feststellen, dass es an etablierten Standorten bezüglich Akzeptanz kaum noch Unterschiede zur Deutschschweiz gibt. Auch die Umsätze gleichen sich immer mehr den Standorten in der Deutschschweiz an. Aktuell gibt es 32 französischsprachige Volg-Läden in der Romandie. Natürlich gibt es dort nach wie vor einige weisse Flecken auf der Volg-Karte, welche wir weiter angehen werden.

Im Internet ist Volg mit einem Onlineshop aktiv. Wie zufrieden sind Sie mit diesem Auftritt?

Philipp Zgraggen: Ich bin mit dem Onlineshop zufrieden, auch wenn die Umsätze auf tiefem Niveau sind. Im Rahmen der Arbeit an unserer digitalen Kompetenz werden wir unseren Onlineshop Schritt für Schritt weiterentwickeln. Der Umsatzanteil des Lebensmittel-Online-Shoppings ist klein. Wenn wir dies weiter ausbauen möchten, werden wir versuchen, dies kostendeckend zu tun. Mit einem Onlineshop Geld zu verbrennen können wir uns nicht leisten.

Nachhaltigkeit ist momentan ein grosses Thema. Wo wird Volg unter Ihrer Leitung nachhaltiger?

Philipp Zgraggen: Für Volg sind die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit, an die sich die fenaco Genossenschaft ausrichtet, ebenfalls entscheidend. In den Dimensionen Ökologie, Soziales und Ökonomie wollen wir uns deshalb auch weiterentwickeln. Wir wollen energie- und ressourceneffizienter werden. Konkret werden wir unsere Prozesse überdenken und innovative Technologien nutzen, um weniger Ressourcen zu verbrauchen. Eines unserer obersten sozialen Ziele sind die Erhaltung und Förderung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum.

Werden Sie im Volg künftig Bio oder IP einführen?

Philipp Zgraggen: Ich schliesse das für die Zukunft nicht aus. Unser Sortiment werden wir überarbeiten und ein Aspekt in der Auswahl wird die Nachhaltigkeit der Sortimentsbereiche sein. Einen fixen Fokus nur auf Bio, IP oder auch Fairtrade setzen wir aber nicht. Bei der Sortimentsüberarbeitung schauen wir, was wir machen können und was für unsere Kunden Sinn macht.

Was wünschen Sie Volg für die Zukunft?

Philipp Zgraggen: Ich wünsche mir, dass unsere Kunden die Mehrwerte ihres Volg-Ladens im Dorf weiterhin schätzen. Volg ist nicht nur ein Detailhändler, sondern ein Dienstleister mit vielen Mehrwerten. Der Volg im Dorf hat zum Ziel, den Dorfbewohnern so viel zu bieten, dass sie das Dorf nicht verlassen müssen, um Besorgungen zu erledigen. Mit den bestehenden Mehrwerten und Dienstleistungen – und vielleicht noch ein paar Dienstleistungen mehr – wollen wir unsere Kunden auch in Zukunft begeistern.

 

Philipp Zgraggen (45) ist seit dem 1. September 2018 für Volg als Mitglied der Geschäftsleitung im Bereich Unternehmensentwicklung tätig und übernahm per 1. September 2019 den Vorsitz der Geschäftsleitung. Als Departementsleiter Volg-Läden/Tankstellenshops ist Philipp Zgraggen zudem Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung der fenaco. Zuvor war er fast 14 Jahre lang in verschiedenen Führungspositionen für Aldi Suisse im In- und Ausland tätig. Philipp Zgraggen wohnt im Kanton Aargau, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.