Rutishauser-DiVino hat 2023 mit 2,2 Hektaren die schweizweit grösste zusammenhängende Fläche mit der widerstandsfähigen Rebsorte Muscaris bepflanzt. Jetzt ist das erste Resultat in den Flaschen. Ein Gespräch mit der Leiterin Marketing Services, Selina Zwahlen, und dem Leiter Kulturen, Jürg Schönenberger, von Rutishauser-DiVino über eine in der Schweiz noch wenig verbreitete, aber umso spannendere und nachhaltige Traubensorte.
Im Frühling 2023 hat Rutishauser-DiVino in Stadel-Mörsburg bei Winterthur (ZH) über 10 000 Pflanzen der Sorte Muscaris gesetzt. Wie haben sich die Reben entwickelt?
Jürg Schönenberger: Der Frühling 2023 war aussergewöhnlich nass. Entsprechend erforderte der Boden auf den 2,2 Hektaren mit den jungen Muscaris-Reben viel Aufmerksamkeit sowie intensive Pflege- und Kontrollarbeiten. In den beiden Folgejahren entwickelten sich die Pflanzen jedoch sehr erfreulich: Dank ihrer natürlichen Robustheit benötigten die Reben rund 70 Prozent weniger Pflanzenschutzmittel. Zudem mobilisierte unser neues Hackgerät wertvollen Stickstoff im Boden, was das Wachstum der Reben zusätzlich förderte.
Wie fällt die Bilanz der ersten Vollernte im September 2025 aus?
Jürg Schönenberger: Wir ernteten 18 480 Kilogramm. Dies ist für dreijährige Reben ein ausgezeichnetes Ergebnis. Auch die Qualität der Trauben hat uns überzeugt. Mit rund 80 Öchsle haben wir den optimalen Lesezeitpunkt getroffen.
Selina Zwahlen: Genau, der Moment war perfekt: Die Balance zwischen Süsse und Säure stimmte ideal. So lassen sich Weine erzeugen, wie sie unsere Kundinnen und Kunden schätzen: sehr aromatisch, fruchtbetont und dennoch spritzig.
Welche Art Wein lässt sich aus den Muscaris-Trauben keltern?
Selina Zwahlen: Dank seiner ausgeprägten Aromatik sowie dem harmonischen Zusammenspiel von Süsse und Säure bietet der Muscaris im Keller vielfältige Möglichkeiten: Vom frischen, trockenen Weisswein über Schaumwein bis hin zu edelsüssen Spezialitäten. Je nach Ausbaustil kann er im Stahltank oder auch im Barrique reifen, wobei Holz und Hefe weitere Nuancen ermöglichen. Entscheidend ist aber, was unsere Kundinnen und Kunden mögen und wie der Wein zu unseren bestehenden Weinlinien passt. Heute im Trend sind Weissweine, die nicht zu schwer sind, sondern zu geselligen Apéros passen. Entsprechend hat unser Kellerteam die Zeit bis zur Vollernte genutzt, um einige Ausbauvarianten zu testen.
Jürg Schönenberger: Schon von seiner Grundaromatik her bringt der Muscaris die besten Voraussetzungen mit, gut zu schmecken. Die Sorte ist gezielt so gezüchtet worden, dass sie an Muskat oder Muskateller erinnert. Also an das warm-würzige, leicht süssliche und aromatisch-intensive Geschmacksprofil. Muscaris ist eine Kreuzung der beliebten Traubensorten Solaris – eine pilzwiderstandsfähige Sorte (Piwi) – und Gelber Muskateller.
Und welches Endresultat wird jetzt in eurem Weinkeller abgefüllt?
Selina Zwahlen: Der «Herbstgold Muscaris Apéro». Die Weinlinie «Herbstgold» ist seit Jahren mit ihrem Weiss-, Rosé- und Rotwein beliebt für Apéros und Feste. Diese Weine sind klassisch, bodenständig und von allen Generationen gefragt. So auch der neue Muscaris.
Jürg Schönenberger: Der Muscaris macht einfach Spass. Und wenn nachhaltige Weine auch unseren Kundinnen und Kunden Freude bereiten, haben wir vieles richtig gemacht.
Wie positioniert man eine noch wenig bekannte Sorte wie Muscaris?
Selina Zwahlen: Nebst dem «Herbstgold Muscaris Apéro» lancieren wir ab Mai weitere Weine aus den Muscaris-Trauben. Darunter auch einer, der etwas wilder und frecher daherkommt. Mit neuen Produkten können wir den Muscaris bekannter machen – auch mit Hilfe von Social Media und Events – aktuell mit unserer Herbstgold-Markenbotschafterin, der Alphornbläserin Lisa Stoll.
Der robuste Muscaris
Die Muscaris-Rebe ist eine Kreuzung der beliebten Traubensorten Solaris und Gelber Muskateller. Solaris gehört zu den pilzwiderstandsfähigen Sorten (Piwi). Durch die gezüchtete Kombination ist auch der Muscaris eine Piwi-Sorte. Solche Pflanzen verfügen über eine besonders starke Widerstandskraft gegen die häufigsten Rebkrankheiten Echter und Falscher Mehltau sowie Graufäule. Somit kann auf einen Grossteil der Pflanzenschutzmittel verzichtet werden.