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Frauen-Power für den Holunder

Franziska Schärer führt einen Landwirtschaftsbetrieb und ist Verwaltungsrätin der fenaco Genossenschaft. Sie bewirtschaftet den Hof in der «Festi», einen 35-Hektar-Betrieb in Melchnau (BE). Ihre Spezialität: Bio-Holunderblüten für die Kräuterbonbons von Ricola.

Franziska Schärer führt einen Landwirtschaftsbetrieb und ist Verwaltungsrätin der fenaco Genossenschaft. Sie bewirtschaftet den Hof in der «Festi», einen 35-Hektar-Betrieb in Melchnau (BE). Ihre Spezialität: Bio-Holunderblüten für die Kräuterbonbons von Ricola. 

Der Juni ist in der «Festi» ein ganz besonderer Monat. Dann nämlich blüht der weisse Holunder auf den Feldern des jahrhundertealten Bauernhofs und entfaltet seinen feinen Duft. Franziska Schärer, Betriebsleiterin des 35-Hektar-Betriebs in Melchnau (BE) auf 580 Meter ü.M., läuft durch die Reihen von über 700 Holunderbäumen und weist die Helferinnen und Helfer an, die sie über den Chat «Holunderfreunde» aufgeboten hat. In wenigen Juni-Wochen werden jeweils die offenen Blüten von Hand gepflückt und vorsichtig in Körbe gelegt. Rund 1,5 Tonnen werden es jede Saison. Später stecken sie in den bekannten Kräuterbonbons von Ricola.

Zwischen Hof und Verwaltungsrat

Franziska Schärer verdient ihren Lebensunterhalt nicht ausschliesslich als Landwirtin. Sie ist seit 2022 Verwaltungsrätin bei der fenaco – und damit eine von 12 Personen mit bäuerlichem Hintergrund, die im Verwaltungsrat der Agrargenossenschaft die Mehrheit stellen. 

Franziska Schärer, Landwirtin und Verwaltungsrätin bei der fenaco
« Frauen in der Landwirtschaft sollen sichtbarer werden. »

Wieso engagiert sie sich im Verwaltungsrat der fenaco? Für Franziska Schärer ist der Dialog zu nichtbäuerlichen Kreisen besonders wichtig. «Wir müssen erklären, was die Bäuerinnen und Bauern für die Ernährung der Schweizerinnen und Schweizer leisten», sagt sie mit Nachdruck. Genauso wichtig ist ihr aber die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft. «Frauen in der Landwirtschaft sollen sichtbarer werden», betont die erfahrene Betriebsleiterin. Viele Frauen arbeiten auf einem Landwirtschaftsbetrieb – laut dem Agrarbericht des Bundesamts für Landwirtschaft wurden 2024 7,7 Prozent der Schweizer Bauernhöfe von einer Frau geleitet – Tendenz seit Jahren steigend. Frauen sorgen aber auch oft in vor- oder nachgelagerten Bereichen für ein finanzielles Standbein vieler Schweizer Bauernfamilien.

Traumberuf Landwirtin

«Immer mehr Frauen absolvieren eine landwirtschaftliche Ausbildung», betont Franziska Schärer. Gemäss dem Agrarbericht betrug der Anteil der Landwirtinnen in der Ausbildung 2024 rund 21%. Auch Franziska Schärer bildet Frauen auf ihrem Hof aus: in den letzten sechs Jahren waren es acht Frauen – und ein Mann. Dieser macht just 2026 – im UN-Jahr der Landwirtinnen – ein Praktikum auf ihrem Hof, bevor er an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften BFH-HAFL in Zollikofen (BE) seine landwirtschaftliche Ausbildung weiterführt.

Wo gibt es noch Handlungsbedarf? «Zum Beispiel in den Gremien und den landwirtschaftlichen Verbänden», sagt die engagierte Betriebsleiterin. Für eine Frauenquote ist sie allerdings nicht. Und führen die Frauen ihren Hof anders als Männer? Auf Klischees will sich Franziska Schärer nicht hinauslassen, aber vielleicht wollten sie es in der Regel schon besonders gut machen, sagt sie. Das bestätigt auch ihr Vater schmunzelnd, der eine Baumreihe weiter Holunderblüten erntet. Bei der Betriebsführung ist Franziska Schärer eine klare Kommunikation wichtig und dass die Lernenden fundiert ausgebildet werden. 
Ihr eigener Weg war hingegen zuerst nicht geradlinig. Nach einem kurzen Ausflug ins Seminar für Lehrerinnen und Lehrer wechselte sie schnell in eine Lehre als Biologie-Laborantin bei der eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope. Das Wissen aus der Lebensmittelindustrie, Biologie und Chemie, das sie dort erworben hat, hilft ihr noch heute. Es zog sie dann aber doch zum Agronomiestudium an die HAFL und schliesslich zurück zum elterlichen Hof im bernischen Melchnau. 

Für Franziska Schärer ist das Bauern ein Traumberuf. Sie schätzt die Vielseitigkeit der Tätigkeit und dass sie mit ihren Lebensmitteln ein Grundbedürfnis der Schweizer Bevölkerung stillt. «Man kann schon auch ohne den Holder leben», gibt sie lachend zu «Der Holunder ist einfach das Tüpfelchen auf dem i». Sie baut auf ihrem Hof aber auch Weizen, Dinkel, Braugerste und Kunstwiese an. Zudem hält sie zusammen mit drei anderen Betriebsleitern gegen 180 Rinder, Milchkühe und Mastkälber. Alleine hätte sie die Investition für einen grossen Stall 2010 nicht anpacken wollen, so kam es zum Zusammenschluss in der Betriebszweiggemeinschaft Moosboden. «Hilfe zur Selbsthilfe», sagt Franziska Schärer dazu. Die geteilte Verantwortung und eine gemeinsame Angestellte schaffen Freiräume. Etwa für ganztägige Verwaltungsratssitzungen. Oder auch einmal für Ferien.

Mit Blick nach vorn

«Die Wetterextreme nehmen schon seit längerem zu», sagt Franziska Schärer mit Blick auf die Zukunft der Landwirtschaft. Besonders die langen Trockenzeiten geben ihr zu denken. Das betreffe alle Kulturen, auch den Holunder. Als Gegenmassnahme testet sie eine Bewässerungsanlage mit dem Forschungsinstitut für Biolandbau FiBL. Und sie setzt auf Pflanzensorten, die mit tiefen Wurzeln besser mit längeren Trockenheitsphasen zurechtkommen. 
 

Franziska Schärer, Landwirtin und Verwaltungsrätin bei der fenaco
« Bauern ist der schönste Beruf. »

Was empfiehlt sie jungen Frauen, die in die Landwirtschaft einsteigen möchten? «Dasselbe wie jungen Männern: möglichst viel anschauen», lacht die erfahrene Landwirtin. Man solle viel sehen und lernen – und dann auf dem eigenen Hof das Beste davon umsetzen, den Mut haben etwas zu ändern und den eigenen Weg zu gehen. «Es ist der schönste Beruf», betont sie zum Abschluss des Gesprächs. Es gebe so viele Dinge, die einen stauen lassen. Die Geburt eines Kalbs. Ein Getreidefeld in der Abendsonne. Oder eben der feine Duft vom Holunder. 
 

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