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Ein gesunder Boden riecht, lebt und trägt

Woran erkennt man einen gesunden Boden? Sandro Hängärtner und Stefan Bützberger teilen ihre wichtigsten Indikatoren und zeigen auf, wie sich die Bodenfruchtbarkeit langfristig erhalten lässt.

IP-Suisse-Landwirt Sandro Hängärtner aus Suhr (AG) beschäftigt sich intensiv mit der Bodengesundheit – dies auch, weil er eine grosse Kompostanlage betreibt. Stefan Bützberger arbeitet im Beratungsdienst Mittelland bei LANDOR und ist ebenfalls Landwirt. Er weiss, dass sich die Bodenpflege nicht auf jeder Fläche nach «Schema F» umsetzen lässt.

Was ist für Sie ein gesunder Boden?

Sandro Hängärtner: Ein gesunder Boden ist für mich ein lebendiger Boden, reich an Bodenleben, gut durchlüftet, mit stabilem Krümelgefüge und hohem Humusgehalt.
Stefan Bützberger: Da stimme ich zu. Ein gesunder Boden muss fruchtbar, lebendig und tiefgründig sein. Besonders wichtig finde ich auch eine gute Wasserspeicherfähigkeit, das ist entscheidend für stabile Erträge.

Woran erkennt man im Feld, ob der Boden geschwächt ist?

Sandro Hängärtner: Ein schlechter Boden riecht muffig, ein gesunder erdig und frisch. Wenn der Boden locker ist, sich gut bearbeiten lässt und gleichmässig abtrocknet, dann stimmt es. Das merke ich beim Pflügen, wenn es wie Butter durchgeht. Ist ein Boden verdichtet, bleibt das Wasser stehen. Auch die Wurzeln zeigen es – etwa durch schwaches Wachstum. Das gilt besonders für den Raps.
Stefan Bützberger: Für mich sind viele Regenwürmer der beste Hinweis auf einen lebendigen Boden. Und ja, der Geruch: Guter Boden schmeckt, schlechter stinkt. Staunässe oder ungleichmässiges Pflanzenwachstum sind ebenfalls Warnzeichen. 
Sandro Hängärtner: Manchmal hilft eine Spatenprobe. Ich mache das gelegentlich, kenne meine Böden aber schon aus Erfahrung.

Welche Methoden findet ihr nützlich, um die Bodengesundheit zu bewerten?

Stefan Bützberger: Aus Erfahrung sieht man vieles direkt. Dennoch empfehle ich, alle vier bis fünf Jahre eine Bodenprobe zu machen. Und nicht nur alle zehn, wie es vorgeschrieben ist. Besonders die Kationenaustauschanalyse gibt wertvolle und detaillierte Hinweise. Denn sie zeigt an, wie gut ein Boden Nährstoffe speichern kann. Es sind auch neue Techniken auf dem Vormarsch, ich denke da an Bodenkartierung, Bodensensoren, Spektroskopie und viele weitere. Sie liefern effizient und schnell zuverlässige Ergebnisse.
Sandro Hängärtner: Das sehe ich ähnlich. Ich kombiniere Laboranalysen mit praktischen Beobachtungen: Geruch, Regenwurmdichte, Struktur und das Gesamtbild. Erfahrung spielt eine grosse Rolle: Man weiss mit der Zeit, welches Feld Herausforderungen birgt. Ich habe beispielsweise eine Fläche auf einer einstigen Kiesgrube übernommen. Da war viel Aufbauarbeit nötig.

Sandro Hängärtner, Landwirt
« Ein schlechter Boden riecht muffig, ein gesunder erdig und frisch. »

Was fördert die Bodengesundheit?

Sandro Hängärtner: Wir setzen seit 30 Jahren regelmässig Kompost ein. Für mich ist dies das A und O. Zudem: möglichst wenig Verdichtung, vielfältige Zwischenfrüchte und Gründüngung. Ich arbeite gezielt mit dem Pflug, weil wir dadurch eine saubere Bodenoberfläche erhalten. So gelingt auch der Anbau von Weizen ohne Pflanzenschutzmittel. Und wir haben dadurch wiederum weniger Herbizide im Boden und gleichzeitig weniger Über-fahrten.
Stefan Bützberger: Vielfalt in der Fruchtfolge ist ebenfalls zentral. Man sollte möglichst nicht auf nassen Boden fahren. Zudem sind Kalkgaben wichtig für ein stabiles Bodengefüge. Damit bleibt der Boden fruchtbar.

Wo liegen die grössten Heraus­forderungen?

Sandro Hängärtner: Bei Zeit und Wirtschaftlichkeit. Kompost und Zwischenfrüchte erfordern Planung und zusätzliche Arbeitsgänge. Die Nährstoffe aus dem Kompost werden nur langsam freigesetzt. Zudem darf man nicht zu viel auf einmal ausbringen. Kurzfristig bewirken diese Massnahmen Mehrkosten, doch der Nutzen zeigt sich nach einigen Jahren mit guten und stabilen Erträgen.
Stefan Bützberger: Genau. Kalken, Gründüngung, all das kostet – und man sieht den Effekt nicht sofort. Aber langfristig zahlt es sich aus. Jeder Bauer kennt seine Böden und muss den eigenen Weg finden.

Was wird in der Praxis häufig falsch gemacht?

Stefan Bützberger: Falsches Düngen schadet eindeutig. Das Ziel ist eine ausgewogene Nährstoffversorgung. Auch die regelmässige Kalkung wird oft vernachlässigt. Einer der häufigsten Fehler ist die Bodenbearbeitung unter zu nassen Bedingungen oder mit einer falschen Arbeitstiefe. Beim Pflügen gilt für mich grundsätzlich: so viel wie nötig, so wenig wie möglich.
Sandro Hängärtner: Ja, das sehe ich genauso. Oft wird aus Zeitdruck auf feuchtem Boden gearbeitet. Manchmal muss man aber pokern – wenn das Wetter kippt, muss man entscheiden, ob man fährt oder wartet. Oft wird auch vergessen, die organische Substanz zurückzugeben. Ganze Maissilagen, bei der keine Pflanzenreste mehr zurück in den Boden gelangen, oder intensiver Gemüsebau laugen den Boden aus.

Stefan Bützberger, LANDOR Berater in der Region Mittelland
« Ich kombiniere Laboranalysen mit meiner Erfahrung vom Feld. »

Habt ihr Tipps für einen bodenschonenden Maschineneinsatz?

Sandro Hängärtner: Ich setze auf leichte Maschinen, breite Reifen und wenige Überfahrten. Unser Kompoststreuer ist so klein wie möglich. Ich betreibe eine Kompostieranlage mit 6000 Tonnen im Jahr – da müssen die Fahrzeuge zum Betrieb und auch zur Anlage passen.
Stefan Bützberger: Der Pflug sollte nur wenn nötig eingesetzt werden. Beim Einsatz rotierender Geräte ist Vorsicht geboten. Eine korrekte Maschineneinstellung ist entscheidend. Falls erforderlich, kann ein Tiefenlockerer helfen, den Boden zu belüften.

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