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Ambitionierte Frauen in der fenaco

Die Förderung von Frauen in leitenden Funktionen ist ein grosses Anliegen der fenaco.

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Die Förderung von Frauen in leitenden Funktionen ist ein grosses Anliegen der fenaco. Ziel ist es, den Frauenanteil in Führungspositionen kontinuierlich zu steigern. Schon heute beschäftigt die fenaco Genossenschaft zahlreiche erfolgreiche Kaderfrauen – und solche, die es werden können.

Um 6 Uhr 45, während andere vielleicht noch schlafen, startet der Arbeitstag für Daniela Lobsiger. Die 50-Jährige bereitet das Frühstück für sich und ihren Mann zu und beginnt mit der Hausarbeit. Auch der Zmittag will vorbereitet sein. Die Kinder sind zwar schon ausgezogen, dennoch kommen sie immer wieder gerne zum Essen nach Hause. Bäuerin, Hausfrau und Mutter zu sein sind drei von zahlreichen Jobs, welche Lobsiger beschäftigen. Im Juni 2018 wurde sie in die Verwaltung der fenaco Genossenschaft gewählt – als erste Bäuerin in der Geschichte des Unternehmens. Seit 2011 ist sie Mitglied und Aktuarin in der Verwaltung der LANDI Matzingen und seit 2016 Mitglied des Regionalausschusses Ostschweiz. Ganz nebenbei, so dünkt es einen, ist sie noch Präsidentin der Landfrauen Wängi-Matzingen. Lobsiger liebt die Abwechslung und diese kommt in ihrem Alltag nicht zu kurz. Obwohl die dreifache Mutter mit ihrer klassischen Familienstruktur nicht unbedingt dem Bild der typischen Karrierefrau entspricht, hat sie es bis ins oberste strategische Gremium der fenaco Genossenschaft geschafft. «Für mich war stets wichtig, auch während der Familienpause, dass das Hirn immer wieder aktiviert wird, zum Beispiel mit einer Ausbildung», erklärt Lobsiger. Konstante Weiterbildung und Selbstinitiative seien wichtige Zutaten ihres Erfolgsrezepts. Initiativ unterwegs ist Lobsiger auch als Mitglied der fenaco Verwaltung. Gemeinsam mit ihrer Amtskollegin und ihren Amtskollegen ist sie bestrebt, nachhaltige Themen weiter voranzutreiben. «Wir Frauen können nicht mehr oder weniger als die Männer, aber der Mix aus den verschiedenen Gedankengängen führt zum Erfolg», ist sie überzeugt.

Ein gutes Netzwerk ist essentiell 

Etwa zur selben Zeit am Morgen, rund 115 Kilometer entfernt im luzernischen Malters, dreht Christine Schöpfer eine erste Runde durch ihre LANDI. «Mir ist der persönliche Kontakt zu den Mitarbeitenden sehr wichtig», erklärt Schöpfer. Seit einem Jahr ist sie Geschäftsführerin der LANDI Pilatus AG und macht morgens, wenn immer möglich, ihren Rundgang durch den Betrieb. «Viele offene Punkte können durch direkte Gespräche gleich erledigt werden – oder es kommen neue Pendenzen hinzu.» Schöpfer ist noch jung, gerade mal 31 und doch hat sie ganz konkrete Vorstellungen davon, wie sie führen möchte: mit Wertschätzung, offenen Ohren und einer Unvoreingenommenheit gegenüber Neuem. Diese Qualitäten und ihr Potenzial haben sich schon früh gezeichnet. 2016 hat Christine Schöpfer das zweijährige Führungstrainee-Programm der fenaco-LANDI Gruppe abgeschlossen – eine Weiterbildung, welche jungen  Talenten die Chance bietet, die Welt der fenaco und der LANDI fundiert kennenzulernen und sich als zukünftige Führungskraft zu qualifizieren. Dabei sei nicht nur der Aufbau eines umfangreichen Fachwissens und eines Verständnisses für die Zusammenhänge und die Zusammenarbeit der strategischen Geschäftseinheiten wertvoll gewesen, sondern «vor allem auch das Kontaktknüpfen im Netzwerk der fenaco-LANDI Gruppe.» Die richtigen Leute zu kennen, um mit ihnen zusammenwirken zu können, sei essentiell für eine erfolgreiche Arbeit.

Mehr Entscheidungsträgerinnen gefragt

Daniela Lobsiger und Christine Schöpfer sind zwei von etwas mehr als 200 Frauen bei der fenaco Genossenschaft, die in einer tragenden Führungsposition tätig sind. Etwa jede sechste Kaderfunktion wird damit von einer Frau besetzt. Wegen ihres Geschlechts ungleich behandelt oder weniger berechtigt fühlen sie sich dennoch nicht. «Das war für mich bisher nie ein Thema, weder im Job noch sonst im Leben», so Schöpfer. Dass in der Schweiz, auch ausserhalb der fenaco Genossenschaft, noch immer nur so wenige Frauen in Kaderpositionen beschäftigt sind, erklärt sie sich mit der historischen Entwicklung. Tatsächlich dürften die wegen der Verantwortung für Haushalt und Kinderbetreuung eingeschränkte Flexibilität der Frauen wichtige Gründe für diese Situation sein. Und doch sind hierzulande rund drei von vier Frauen erwerbstätig, wie Zahlen des Bundesamts für Statistik (2018) zeigen. Im europäischen Vergleich arbeiten nur in Island und Schweden noch mehr Frauen. Aber auch bei gleichem Bildungsstand: Der Anteil an arbeitnehmenden Frauen in Führungspositionen hat sich im letzten Jahrzehnt kaum verändert und macht heute erst knapp einen Drittel aus. Mit dieser Statistik hinkt die Schweiz auch im interkontinentalen Vergleich dutzenden Ländern hinterher – kein Wunder also, werden die Forderungen nach mehr Führungsfrauen und Entscheidungsträgerinnen immer lauter.

« Heute müssen wir nur noch besser sein. »
Bernadette Kündig

Eine Frau, deren Karriere schon lange vor der Diskussion um Frauenquoten begonnen hat, ist Bernadette Kündig. Seit dreieinhalb Jahrzehnten ist sie in der LANDI tätig, seit 20 Jahren führt die 58-Jährige die LANDI Schwyz. Lange Zeit war sie zudem als Gemeindepräsidentin von Schwyz und im Kantonsrat Schwyz politisch aktiv und wurde jüngst zur neuen Präsidentin der Geschäftsführer-Vereinigung der fenaco-LANDI Gruppe gewählt. «Vor 20 Jahren hatte Mann noch nicht so Übung im Umgang mit Kaderfrauen», erinnert sich Kündig. «Das hat teils zu skurrilen, aber auch wahnsinnig witzigen Situationen geführt, über die ich ein ganzes Buch schreiben könnte.» Obwohl Kündig sich grundsätzlich gleichberechtigt fühlt, sieht sie auch die Grenzen der Gleichberechtigung. «Damals mussten wir Frauen noch extrem viel besser sein, um eine Kaderfunktion anstelle eines Mannes besetzen zu können. Heute müssen wir nur noch besser sein.» Es könne aber heutzutage nicht mehr nur den Männern die Schuld an diesen ungleichen Messlatten gegeben werden. «Die meisten Ansprüche haben wir an uns selber. Wir wollen 200 Prozent perfekt sein und alle Anforderungen übertreffen. Mit diesem Perfektionismus und der oft viel zu kritischen Haltung behindern vor allem wir uns. Dabei vergessen wir, dass auch Kadermänner nicht immer Superhelden sind!»

Förderung von allen Talenten

Obwohl auch die fenaco Genossenschaft, wie die meisten Unternehmen, noch nicht mit einem hohen Anteil an Frauen in der Führung glänzen kann – dass es der Verwaltung und der Geschäftsleitung ernst ist, talentierte und ambitionierte Menschen egal welchen Geschlechts zu unterstützen und anzutreiben, ist im ganzen Unternehmen zu spüren. Das Bekenntnis zur individuellen Förderung von Mitarbeitenden und zum aktiven Mitspracherecht ist fest im Leitbild des Unternehmens verankert. Dank internen und externen Weiterbildungsmöglichkeiten für Mitarbeitende, offenen Augen und Ohren bei der Rekrutierung und dem Aufruf an alle ambitionierten Personen, sich proaktiv als potenzielle Führungspersönlichkeiten zu melden, will die fenaco in Zukunft das Geschlechterverhältnis in ihren Führungsteams besser ausgleichen. Denn letztendlich gilt auch hier: Es ist die Mischung, die’s macht.