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Bewässerung im Vergleich: Welches System ist fit für die Zukunft?

Trockenperioden und starke Niederschläge stellen die Landwirtschaft vor neue Herausforderungen. Doch es gibt Lösungsansätze: innovative Bewässerungssysteme sichern Erträge auch unter schwierigen Bedingungen.

Extreme Wetterereignisse stellen den Pflanzenbau zunehmend vor Herausforderungen. Längere Trockenperioden belasten die Kulturen, während starke Niederschläge die Bedingungen auf den Feldern erschweren. Entsprechend gewinnt die effiziente Nutzung von Wasser an Bedeutung.

An den Feldtagen 2026 wurde dieses Thema im Kartoffelbau praxisnah aufgegriffen. Im Zentrum stand der Vergleich von drei unterschiedlichen Bewässerungssystemen.

René Hartmann, Anbauberater von Landor
« Kartoffeln sind eine wichtige und gleichzeitig kostenintensive Kultur. Das Ziel ist, sie möglichst erfolgreich zu führen. »

Trockenheit erfordert gezielte Lösungen

Kartoffeln reagieren empfindlich auf Wassermangel. Die Wasserversorgung beeinflusst nicht nur den Ertrag, sondern auch Grösse und Qualität der Knollen. Bereits vor der Pflanzung muss deshalb entschieden werden, welches Bewässerungssystem zum Einsatz kommt. Je nach Verfahren werden die Leitungen direkt bei der Pflanzung im Boden verlegt.

Mit zunehmenden Wetterextremen steigt die Bedeutung der Bewässerung. Sie hilft, Trockenstress zu reduzieren und die Kulturen gezielt zu versorgen. Gleichzeitig wächst der Anspruch, die Ressource Wasser effizient einzusetzen.

Drei Systeme im Praxistest

An den Feldtagen 2026 wurden folgende drei Bewässerungssysteme verglichen: eine Tropfbewässerung, eine Tropfbewässerung mit zusätzlicher Düngerapplikation sowie eine klassische Sprinklerbewässerung.

Die Systeme unterscheiden sich vor allem in der Art der Wasserverteilung. Während die Tropfbewässerung das Wasser gezielt in den Wurzelbereich bringt, verteilt die Sprinklerbewässerung es flächig über den Bestand. Entsprechend unterscheiden sich die Verfahren hinsichtlich Wasserverbrauch, Effizienz und Steuerbarkeit.

Besonderes Interesse galt der sogenannten Fertigation, bei der Wasser und Nährstoffe gemeinsam über das Bewässerungssystem ausgebracht werden. Auf der Versuchsfläche wurden rund ein Drittel der Nährstoffe über das System und zwei Drittel über die klassische Bodendüngung verabreicht.

Längere Vegetationszeit als Ziel

Mit der Kombination von Bewässerung und Düngung verfolgen die Fachleute ein klares Ziel: Die Kartoffelstauden sollen länger aktiv bleiben und die Knollen über einen längeren Zeitraum versorgen können. 

Besonderes Potenzial sieht René Hartmann von LANDOR in der gezielten Kombination von Wasser- und Nährstoffversorgung. «Mit der Fertigation können wir die Nährstoffe gezielter einsetzen», sagte er.

Das Verfahren wird in Deutschland bereits erfolgreich eingesetzt. Die Strategien von LANDOR an den Feldtagen sollen aufzeigen, welches Potenzial die Kombination von Bewässerung und Düngung auch für die Schweiz bietet.

René Hartmann verspricht sich viel von dem neuen Verfahren. Unter optimalen Voraussetzungen könne sich die Vegetationszeit um bis zu zwei Wochen verlängern. Dies könne dazu beitragen, die Ertragsbildung länger aufrechtzuerhalten. Unter geeigneten Bedingungen seien so Mehrerträge von 20 bis 30 Prozent möglich.

René Hartmann, Anbauberater von Landor
« Unser Ziel ist es, die Stauden länger aktiv zu halten. Jede zusätzliche Woche kann sich positiv auf Ertrag und Qualität auswirken. »

Erste Unterschiede zwischen den Varianten waren bereits zwischen der Flurbegehung Anfang Mai und den Feldtagen Anfang Juni sichtbar. Ob sich die hohen Erwartungen bestätigen, wird die komplette Auswertung nach der Ernte zeigen.

Daten helfen beim Bewässerungsentscheid

Neben den technischen Lösungen spielt auch die Datengrundlage für Bewässerungsentscheide eine wichtige Rolle. Über das Bodenfeuchtigkeitsmessnetz AgriAqua (ein Spin-off der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften BFH-HAFL) werden Bodenfeuchtedaten aus der ganzen Schweiz gesammelt und ausgewertet. Die BFH-HAFL betreibt dafür rund 330 Bodenfeuchtesonden, deren Daten öffentlich zugänglich sind.

Silke Fieseler-Hein, Geschäftsführerin von AgriAqua
« Boden- und Wasserdaten werden zunehmend zusammengeführt. Dadurch können wir immer genauer bestimmen, wann sich eine Bewässerung lohnt. »

Die Digitalisierung eröffnet dabei neue Möglichkeiten. «Heute können Bewässerungssysteme nicht nur überwacht, sondern auch gezielt gesteuert werden. Die verfügbaren Daten helfen dabei, Wasser genau dann einzusetzen, wenn die Pflanzen es benötigen», so Silke Fieseler-Hein.

Die Entwicklung geht dabei über einzelne Betriebe hinaus. Immer mehr Regionen setzen auf gemeinschaftliche Bewässerungsprojekte. «Wir beobachten vermehrt Projekte, bei denen mehrere Betriebe gemeinsam Lösungen entwickeln und nutzen. Das macht Investitionen wirtschaftlicher und stärkt den effizienten Umgang mit Wasser», sagte Silke Fieseler-Hein.

Wasser wird zum strategischen Faktor

Die Versuche zeigten deutlich: Bewässerung ist heute weit mehr als das Ausbringen von Wasser. Moderne Systeme ermöglichen eine präzisere Steuerung der Wasserversorgung und eröffnen neue Möglichkeiten, Nährstoffe gezielt einzusetzen.

Gleichzeitig gewinnt die Frage der Wasserverfügbarkeit an Bedeutung. Wenn Trockenperioden häufiger werden, dürfte auch die Nutzung von Wasser für die Landwirtschaft stärker diskutiert werden. Umso wichtiger wird es, die vorhandenen Ressourcen effizient einzusetzen und Verluste möglichst zu vermeiden.

«Die endgültigen Resultate des Versuchs veröffentlichen wir nach der Kartoffelernte im Herbst 2026», sagt René Hartmann. Klar ist aber bereits heute: Die Zukunft der effizienten Bewässerung liegt nicht allein in der Technik, sondern im Zusammenspiel von Wasser, Nährstoffen und digitalen Lösungen.

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