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Story

Vom sauberen Stall zum gesunden Tier

Höheres Tierwohl heisst weniger Medikamente und bessere Qualität in der Tierhaltung. Voraussetzung dafür ist eine gute Stallhygiene.

Höheres Tierwohl heisst weniger Medikamente und bessere Qualität in der Tierhaltung. Voraussetzung dafür ist eine gute Stallhygiene.

Hochwertige Lebensmittel sind nur mit gesunden Tieren in artgerechter Haltung möglich. «Man merkt es den Lebensmitteln einfach an, ob die Tierhaltung gut war – oder eben nicht», sagt Erich Thoma, Leiter Beratungsdienst der Halag Chemie. «Gesunde Tiere bedeuten auch weniger Medikamente und somit mehr Leistung für die Tierhalterin und den Tierhalter», erklärt er. «Natürlich spielen viele Faktoren eine Rolle für das Tierwohl. Von der Futter- und Tränkewasserqualität über die Beleuchtung bis zur richtigen Stalltemperatur und dem artgerechten Auslauf. Hygiene und Sauberkeit im Stall sind zentral.

« Gesunde Tiere bedeuten auch weniger Medikamente und somit mehr Leistung für die Tierhalterin und den Tierhalter. »
Erich Thoma, Leiter Beratungsdienst der Halag Chemie

Von der Reinigung zur Desinfektion
Kot, Einstreu, ausgefallene Federn oder auch Futterreste machen den grössten Anteil der Verschmutzung im Stall aus. Dazu kommt oft die hohe Staubbelastung. Dieser Dreck kann  mit normalen Reinigungsmitteln entfernt werden. Wasser alleine entfernt die unsichtbaren krankmachenden Keime aber nur unzureichend. Zudem wird die Hygiene im Tränkesystem oft unterschätzt: Wasser ist ein wichtiger Bestandteil der Tierernährung und muss dementsprechend rein und hygienisch sein. Richtig knifflig wird es bei einem Befall mit Viren, Bakterien oder Parasiten, denn diese lassen sich nicht einfach mit dem Hochdruckreiniger wegputzen. «Keimarm» ist der Stall erst nach der Reinigung mit Stallreinigungsprodukten.

Mangelhafte Hygiene, aber auch der falsche Umgang mit Lebensmitteln stehen oft am Anfang von Lebensmittelskandalen. «Campylobacter-Keime sind bei Lebensmittelinfektionen die Nummer eins. Diese Infektion kann zum Beispiel beim unsachgemässen Umgang mit kontaminiertem Pouletfleisch in der heimischen Küche entstehen», erklärt Erich Thoma. Im Vergleich zu Salmonellen führen beim Menschen bereits geringe Mengen zu einer Erkrankung. Die Ursache für diese Infektion liegt oft schon im Stall. Erich Thoma stellt fest: «Die Standards bei der Stallhygiene steigen – und das aus gutem Grund.»

Die Auflagen werden strenger, es wird mehr kontrolliert und die Methoden werden genauer. Davon profitieren auch die Tiere, denn sie sind von ­einer mangelhaften Hygiene direkt betroffen. «Abgänge von Tieren wegen ungenügender Hygiene gehen jedem nah, das ist ein emotionales und sensibles Thema», betont Erich Thoma. Ein Fall ist ihm in besonderer Erinnerung geblieben: Ein Schweinemastbetrieb mit 160 Tieren beklagte wie aus dem Nichts elf Abgänge. «Der Tierhalter war am Boden zerstört und wusste nicht, wo die Ursache liegen könnte. Wir sind dem Problem auf den Grund gegangen und haben festgestellt, dass es am Tränkewasser lag. Mit einer Wasserhygienisierung konnten wir die Qualität deutlich verbessern.» In der Folge konnten die Abgänge auf ein bis zwei Tiere gesenkt werden, die zudem aus anderen Gründen starben.

Hygiene, Analytik und Tier­gesundheit aus einer Hand
Die fenaco deckt die gesamte Wertschöpfungskette im Bereich der Reinigung und Desinfektion in der Land­wirt­schaft und der Ernährungsindustrie ab. Dabei vereint sie seit 2021 drei spezialisierte Unternehmen unter ­­dem Dach der Organisationseinheit «Lebens­mittelsicherheit»: Die Halag Chemie mit Sitz in Aadorf legt den Schwerpunkt auf die Betriebshygiene. Das Unternehmen entwickelt spezifische Reinigungs- und Desinfektions­lösun­gen, die in der Land- und Er­nährungs­wirtschaft zum Einsatz kommen. Das Schwesterunternehmen UFAG Laboratorien konzentriert sich als Auftragslabor auf die Analytik. Jährlich untersuchen die Mitarbeitenden in Sursee über 100 000 Proben – von Lebensmitteln zu Futtermitteln bis zu Pharma-Wirkstoffen. Ebenfalls in Sursee angesiedelt ist die ufamed, welche sich ganz auf den Vertrieb von Tierarzneimitteln und Spezialitäten rund um die Tiergesundheit fokussiert hat. «Mit diesen Expertisen aus einer Hand sind wir ein kompletter Anbieter in den Bereichen Hygiene, Analytik und Tiergesundheit», sagt Martin Schenk, der Leiter der Organisationseinheit.

« Wir sind ein kompletter Anbieter in den Bereichen Hygiene, Analytik und Tiergesundheit. »
Martin Schenk, Leiter Lebensmittelsicherheit bei der fenaco

Die Produktion von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln findet auf den modernen Produktionsanlagen der Halag Chemie in Aadorf statt. Hier werden die entsprechenden Rohstoffe nach eigenen Rezepturen gemischt, abgefüllt, gelagert und ausgeliefert. Auch um Zulassungen in der Schweiz von neuen Wirkstoffen im Bereich Reinigungs- und Desinfektionsmittel kümmert sich das Unternehmen. Die wichtigsten Abnehmer sind die Lebensmittelindustrie und die landwirtschaftlichen Betriebe in der Schweiz. Während die grösseren Kunden aus der Lebensmittelbranche in der Regel direkt bedient werden, decken sich die Schweizer Bäuerinnen und Bauern über die LANDI oder andere Vertriebskanäle mit Halag-Produkten ein. «Die Beratung zu unseren Produkten ist ­dabei das A und O», betont Erich Thoma. «Wir haben ausgebildete Fachberaterinnen und -berater, welche über viele Jahre Erfahrung in Bereichen wie der Stallhygiene verfügen und so kompetent auf einzelne Fälle eingehen können.» Je nach Situation werden auch Tierärztinnen und die Spezialisten der UFAG Laboratorien beigezogen. «Der einzelne Tierbetrieb kann sich bei der Beurteilung und den angemessenen Massnahmen ganz auf seine Genossenschaft, die fenaco, verlassen», sagt Erich Thoma. «Vorbeugen ist besser als eine Gesamtsanierung», betont er.

Das Thema bleibt wichtig
Die Konsumentinnen und Konsumenten greifen immer häufiger zu Convenience-Produkten, welche nicht ­er­­hitzt werden und deshalb aus Hygienesicht anspruchsvoller sind. Die ­Lebens­mittelindustrie und der Detailhandel verlangen nach längerer Haltbarkeit der Produkte. Bei gleichzeitig immer grösseren Tierhaltungsbetrieben dürfte der Trend zu höheren Hygienestandards in den Schweizer Ställen deshalb anhalten. «Für die Landwirtinnen und Landwirte führt kein Weg an einer sorgfältigen und korrekten Stall­hygiene vorbei», bekräftigt Erich Thoma. «Die Anforderungen in unseren Ställen bewegen sich Richtung Hygienestandards der Lebensmittelindustrie.» Sagts und macht sich auf den Weg zum nächsten Beratungsgespräch.

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Verschmutzungen im Stall

Die Hauptverschmutzung wird mit Stallreinigungsmitteln bekämpft. Bei verunreinigtem Wasser hilft eine Hygienisierung. Viren, Bakterien und Parasiten verschwinden erst nach einer zusätzlichen Desinfizierung.

  • Kot, Einstreu, Federn, Futterreste
  • Staub
  • Verunreinigtes Wasser
  • Viren, Bakterien, Parasiten
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