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Social Media in der Landwirtschaft: Sinn oder Unsinn ?

Plattformen wie Facebook und Instagram sind für grosse Unternehmen längst nicht mehr wegzudenken. Ob der Einsatz in der Landwirtschaft Sinn macht, diskutieren Junglandwirt Adrian Wenger und LANDI Mitarbeiter Laurent Spengler.

Plattformen wie Facebook und Instagram sind für grosse Unternehmen längst nicht mehr wegzudenken. Ob der Einsatz in der Landwirtschaft Sinn macht, diskutieren Junglandwirt Adrian Wenger und LANDI Mitarbeiter Laurent Spengler.

Die LANDI La Côte hat 1600 Abonnenten auf Facebook, Wengerfarms über 10 000 Follower auf Instagram. Was hat euch motiviert, so intensiv auf Social Media präsent zu sein?

Adrian Wenger: Die Direktvermarktung war bei uns immer ein wichtiges Thema. Zunächst lief alles via Mundpropaganda. Als wir zusätzlich eine Webseite aufschalteten, fragte ich mich, ob das überhaupt Sinn macht ohne Werbung. Ohne diese wäre überregional kaum jemand auf der Seite gelandet. Wir brauchten also einen anderen Weg, um auf uns aufmerksam zu machen.

Laurent Spengler: Bei uns ist es genau umgekehrt. Natürlich möchten wir auch unsere Produkte, hauptsächlich im Bereich «Natürlich vom Hof» promoten. Vor allem möchten wir aber auf unsere lokalen Produzentinnen und Produzenten aufmerksam machen. In der Corona-Krise, während der wir soziale Kontakte auf ein Minimum reduzieren müssen und sämtliche gesellschaftliche Aktivitäten abgesagt werden, ist das etwas schwierig. Trotzdem sind wir uns in der Geschäftsleitung einig: Wir gehen mit der Zeit. Und Social Media ist von der aktuellen Generation nicht wegzudenken.

Funktioniert das denn? Seid ihr auch auf dem Markt erfolgreicher?

Laurent Spengler: Für uns ist es schwierig, ein Resümee zu ziehen. Wir haben erst Anfang 2020 unsere Social-Media-Aktivität intensiviert. Gleichzeitig hat der Detailhandel, verglichen mit anderen Branchen, deutlich von der Corona-Pandemie «profitiert». Die Zahlen sind also verzerrt – wir erhalten aber viele positive Feedbacks.

Adrian Wenger: Ich habe vor drei Jahren begonnen, unseren Kanal intensiv zu betreuen. Für uns haben sich dadurch vor allem neue Geschäftspartnerschaften ergeben. Es ist schon interessant: Plötzlich wirst du sichtbar für Medien oder Marken, die denken, dass du die richtige Person für eine Zusammenarbeit bist.

« Social Media ist heute ein Muss. Aber man muss sich auch kritischen Fragen stellen. »
Laurent Spengler

Macht das nicht auch angreifbar, wenn man sich auf Social Media so exponiert?

Laurent Spengler: Ganz klar. Leider muss man sich auch fiesen Kommentaren oder kritischen Fragen stellen. Im Internet ist es natürlich einfacher, sich negativ zu äussern. Das sollte man ernst, aber nicht persönlich nehmen.

Adrian Wenger: Das Internet vergisst auch nicht. Das sollte man sich insbesondere dann bewusst sein, wenn es um politische Diskussionen oder kontroverse Themen geht.

Was wollen eure Follower sehen, welche Beiträge sind am erfolgreichsten?

Laurent Spengler: Bei uns sind es vor allem Verlosungen, die super ankommen.

Adrian Wenger: Ich kann das nicht auf einzelne Inhalte runterbrechen. Meine Erfahrungen zeigen: Gut funktionieren die simplen Posts mit Informationsgehalt. Das sind meistens Bilder oder kurze Videos – auf Instagram nennt man sie Reels. Weniger relevante Themen poste ich als sogenannte Story, die nach 24 Stunden automatisch weg ist. Reichweite dazugekauft habe ich bisher übrigens noch nicht – ich sehe darin keinen Mehrwert.

« Social Media hat grosses Potenzial für Landwirtinnen und Landwirte. »
Adrian Wenger

Ist die Bewirtschaftung der Social- Media-Kanäle nicht sehr zeitintensiv?

Adrian Wenger: Der Erfolg auf Social Media kommt nicht von Nichts. Oft investiere ich meine Freizeit dafür. In der Anfangsphase war ich viel aktiver. Damals war ich noch in der Ausbildung zum Agrotechniker. Heute arbeite ich Vollzeit und betreue «nebenbei» noch unsere Plattformen – Website, Instagram, WhatsApp Business – das wird dann schon viel.

Laurent Spengler: Wir haben unsere ITProzesse optimiert. Damit haben wir uns etwas Zeit freigeschaufelt. Zudem sind mehrere Personen in das Social- Media-Projekt involviert und produzieren mit. Bisher stemmen wir den Aufwand mit vorhandenen Ressourcen. Wir sind aber bei weitem nicht so aktiv wie Wengerfarms.

Adrian Wenger: Man muss auch ehrlich mit sich selbst sein. Wer nur einmal pro Monat etwas postet, wird seine Kanäle kaum vorwärtsbringen. Social Media hat grosses Potenzial für Landwirtinnen und Landwirte – sofern sie regelmässig Inhalte veröffentlichen. Das ist die Schwierigkeit. Denn das braucht nun mal Zeit.

Wie profitiert denn die Landwirtschaft von Social Media?

Adrian Wenger: Jede Bäuerin und jeder Bauer hat durch Social Media ein Mittel, unser Image positiv zu beeinflussen. Social Media gibt uns die Möglichkeit, den Nutzen der Landwirtschaft darzustellen. Oft erhalte ich erfreute Reaktionen von Followers, die Neues gelernt haben.

Laurent Spengler: Dem schliesse ich mich auch aus Sicht der LANDI an. Wir können Themen und Personen sichtbar machen, die bisher nicht so viel Beachtung gefunden haben.

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