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Nützlinge im Pflanzenschutz: Nützliche Alternativen

fenaco arbeitet aktiv daran, Alternativen zum konventionellen Pflanzenschutz zu finden. Zum Beispiel mit Nützlingen und weiteren Innovationen.

Multikopter

Seit einigen Jahren arbeitet fenaco aktiv daran, Alternativen zum konventionellen Pflanzenschutz zu identifizieren. Nützlinge und weitere Innovationen im Pflanzenschutz sollen die Schweizer Landwirte dabei unterstützen, die hohen Erwartungen der Bevölkerung an Schweizer Lebensmittel weiterhin optimal erfüllen zu können.

Mit dem Einsatz von Drohnen zur Maiszünsler-Bekämpfung konnte der Pflanzenschutz innerhalb der fenaco bereits wichtige Meilensteine im nachhaltigen Pflanzenschutz erreichen. Bisher waren die Nützlinge bei der strategischen Geschäftseinheit UFA-Samen angesiedelt. Michael Feitknecht, Leiter fenaco Pflanzenschutz, erklärt im Interview die Gründe für die Angliederung der Nützlinge in seinem Bereich – und welchen Herausforderungen sich seine Geschäftseinheit künftig stellen muss.

Herr Feitknecht, seit Kurzem ist der Bereich Nützlinge Ihrer Geschäftseinheit unterstellt. Welche Gründe gibt es für diese Verlagerung in den Pflanzenschutz?

Michael Feitknecht: Mit dem Begriff «Nützlinge» sind alle Spinnentiere und Insekten gemeint, welche dem Menschen in irgendeiner Form nützlich sind, da sie sogenannte Schädlinge als Nahrung oder Wirt brauchen. Innerhalb des gesamten Departements Pflanzenbau waren schon seit längerem Überlegungen im Gange, den Bereich Nützlinge in den Pflanzenschutz zu übernehmen, da wir vor allem mit Nützlingen arbeiten, welche die Pflanzen und somit die Kulturen in der Landwirtschaft schützen sollen. Ein bekanntes Beispiel hierfür sind die Schlupfwespen, welche als Nützlinge eingesetzt den Maiszünsler bekämpfen.

« Wir unterstützen den alternativen Pflanzenschutz, wenn er fachlich vertretbar, zielführend und wirtschaftlich ist. »
Michael Feitknecht, Leiter fenaco Pflanzenschutz

Die Nützlinge sind somit ein wichtiger Teilbereich von fenaco Pflanzenschutz. Welches sind die Hauptaufgaben von fenaco Pflanzenschutz?

Michael Feitknecht: Unsere Hauptaufgabe ist es nach wie vor, unser Kernsortiment an Pflanzenschutzmitteln aktuell zu halten, den Marktvorgaben anzupassen und dieses nach fundierter fachlicher Bestandsaufnahme beim Landwirt vor Ort für den spezifischen Einsatz zu empfehlen. Somit unterstützen wir den Aktionsplan Pflanzenschutz des Bundes, da wir diesen als nachhaltiger erachten, als radikale Initiativen – wie zum Beispiel die zwei aktuellen Volksinitiativen. Wir unterstützen die Forschung und Entwicklung von alternativem Pflanzenschutz, wenn er fachlich vertretbar, zielführend und wirtschaftlich ist. Wir sind überzeugt, dass Agronomie und Fachwissen – sprich die Zusammenarbeit von Landwirt und Berater – immer wichtiger werden, um den hohen Anforderungen an Schweizer Lebensmittel gerecht werden zu können. Ausserdem bauen wir unseren Bereich Nützlinge laufend aus und erweitern ihn um den Einsatz von Mikroorganismen. Unsere Kompetenzzentren für Bienen und Biodiversität – bekannt als Api-Center – entwickeln wir ebenfalls weiter. So tragen wir dazu bei, dass die Verbindung zwischen Imkerei und Landwirtschaft noch mehr gestärkt wird. Unsere Innovationen werden künftig vor allem im Bereich der Weiterentwicklung von Drohnen- und Applikationssystemen sowie in nachhaltigen Massnahmen zu finden sein. Unser Anspruch ist es, neue Technologien so einzusetzen, dass sie insbesondere der Landwirtschaft einen Nutzen bringen und die Umwelt weniger belasten.

Sie haben die Schlupfwespen angesprochen, welche in Optikugeln mit Drohnen über die Felder ausgestreut werden. Gibt es in Ihrer Geschäftseinheit weitere neue Alternativen zum konventionellen Pflanzenschutz?

Michael Feitknecht: Wir haben innerhalb fenaco Pflanzenschutz den Bereich Innovation gegründet, welcher aktiv neue Ideen für den alternativen Pflanzenschutz erforscht, testet und lanciert. Momentan sind wir an der Ausarbeitung von digitalen Methoden zur Datenerhebung und -auswertung, womit wir mittels Modellen den idealen Einsatzpunkt oder die Schadschwellen bestimmen können. Dank präziseren Applikationssystemen, zum Beispiel zur genauen Georeferenzierung von Drohnen, genauen Abständen zu Oberflächengewässern etc., wird der Pflanzenschutz weiter optimiert. Dies indem man die Risiken von Pflanzenschutzmitteln reduziert und/oder sie durch den Einsatz von alternativen Methoden komplementiert oder gar ersetzt.

Pflanzenschutz wird durch die zwei Pflanzenschutz-Initiativen vermehrt auch beim Endkonsumenten thematisiert. Wie geht fenaco Pflanzenschutz mit dieser Herausforderung um?

Michael Feitknecht: Wir sehen diese beiden Initiativen als Herausforderung und lehnen sie klar ab. Gleichzeitig kann die dadurch ausgelöste Diskussion auch eine Chance sein. So haben wir und die Schweizer Landwirtschaft die Möglichkeit, einer breiten Bevölkerung aufzuzeigen, welche Massnahmen in der alternativen Schädlingsbekämpfung möglich sind und heute bereits sehr erfolgreich eingesetzt werden. Hier muss auch aufgezeigt werden, in welchem Ausmass der konventionelle Pflanzenschutz zur heutigen Zeit für die Ertrags- und Qualitätssicherung notwendig ist und seine Daseinsberechtigung behält. Ein Ziel der Digitalisierung ist zum Beispiel auch, die Umstände und Hintergründe des Einsatzes von Pflanzenschutz im Allgemeinen transparent aufzuzeigen, damit man die Notwendigkeit und den professionellen Einsatz in der Praxis belegen kann. Radikale und kurzfristige Schritte bringen keine nachhaltigen Lösungen, sondern verlagern die Probleme nur – zum Teil auch ins Ausland, womit niemandem gedient wäre. Durch die Thematisierung setzen sich die Konsumenten mehr mit der Lebensmittelproduktion auseinander, was eine gute Grundlage für ein besseres Verständnis bietet. Wenn die Öffentlichkeit wahrnimmt, welche Gratwanderung unsere Schweizer Landwirtinnen und Landwirte zum Teil für die Erzeugung gesunder Lebensmittel mit höchster Qualität zu möglichst attraktiven Preisen auf sich nehmen müssen, kann uns dies auch helfen.

 

Verantwortungsvolle Landwirtschaft

Der Schweizer Bauernverband (SBV) will das Jahr 2019 nutzen, um Aufklärungsarbeit zu den mit der Trinkwasserinitiative aufgeworfenen Themen zu leisten. Dies insbesondere zum Pflanzenschutz und der Fütterung. Hierfür hat der SBV eine Kampagne mit dem Motto «Wir schützen, was wir lieben» ins Leben gerufen. Die fenaco ist Mitglied der Allianz des SBV. Auf www.verantwortungsvollelandwirtschaft.ch können verschiedene Unterlagen zum Pflanzenschutz eingesehen und heruntergeladen werden. Auf der Website www.nuetzlinge.ch werden verschiedene natürliche Produkte und Informationen für Landwirte, Hobby- und Profigärtner vorgestellt.