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Story

Lieblingsfrucht Apfel: Vom Anbau bis zur Ernte

Bis die knackigen Früchte ins Verkaufsregal gelangen, muss einiges an Arbeit investiert werden. Apfel-Produzent Sepp Burri erläutert, welche Arbeiten auf einem Obstbetrieb anfallen.

Apfel-Produzent Sepp Burri

Klein, rot und süss oder gross, grün und säuerlich – die Vielfalt von Äpfeln ist gross. Doch bis die knackigen Früchte ins Verkaufsregal gelangen, muss einiges an Arbeit investiert werden. Produzent Sepp Burri erläutert, welche Arbeiten rund ums Jahr auf einem Obstbetrieb anfallen.

Der Apfel ist mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von rund 15 Kilogramm die Lieblingsfrucht der Schweizer. Da sich viele Apfelsorten einlagern lassen, sind rund ums Jahr Äpfel aus heimischer Produktion erhältlich. Sepp Burri ist einer von rund 900 Schweizer Apfelproduzenten. Sein Familienbetrieb in Hünenberg (ZG) wird bereits in der fünften Generation geführt. Sepp Burri und sein Sohn Christian bauen Kern- und Steinobst an. Bei den Äpfeln überwiegen die Sorten Gala und Braeburn. Des Weiteren werden die Markenäpfel Kanzi und Greenstar sowie die Sorten Jonagold, Diwa, Golden, Rubinette und Topaz produziert.

Schutz vor der Witterung

Der Betrieb von Familie Burri befindet sich auf 480 m ü. M. Die Flächen liegen zwar relativ frostsicher, befinden sich aber in einem Hagelgebiet. Zum Schutz der Äpfel hat Sepp Burri seine Anlage daher mit Hagelnetzen ausgestattet.

Alle zwölf bis 15 Jahre müssen die Bäume ersetzt werden. Dafür rodet Burri jedes Jahr etwa einen Hektar, den er neu bepflanzt. Im zweiten Jahr nach der Pflanzung kann die erste Ernte eingefahren werden, die noch recht klein ausfällt. Erst im vierten Jahr kann mit dem vollen Ertrag gerechnet werden.

« Wo und wann immer möglich setzen wir auf schonende Pflanzenschutz-Mittel, um die Nützlinge zu fördern. »
Sepp Burri, Apfelproduzent

Schädlinge fernhalten

Bevor im Frühjahr die Bäume blühen, steht die erste Pflanzenschutz-Behandlung an. Insbesondere während der Blüte besteht ein hohes Infektionsrisiko mit dem Bakterium, das die gefährliche Krankheit Feuerbrand verursacht. Hartnäckig ist auch der durch einen Pilz hervorgerufene Apfelschorf. Gegen diese Krankheit muss Burri die meisten Pflanzenschutz-Spritzungen vornehmen.

Für die Bestäubung der Bäume sorgt ein Bienenstand auf dem Hof. Zusätzlich stellt ein Imker seine Völker auf. Ohne die Bienen würden die Äpfel nicht ausreichend bestäubt werden. Für eine erfolgreiche Befruchtung braucht es zudem immer zwei verschiedene Sorten, da die meisten Äpfel selbststeril sind. Alternativ können auch Wildapfelbäume in der Anlage gepflanzt werden.

Nach der Blüte findet eine Regulierung des Behangs statt. Das heisst, überzählige Fruchtansätze werden entfernt, damit es keine jährlich wechselnden Ertragsschwankungen – die sogenannte Alternanz – gibt. «Wo und wann immer möglich setzen wir auf nützlingsschonende Pflanzenschutz-Mittel, um so die Nützlinge zu fördern», erklärt Burri seine Pflanzenschutz-Strategie. Schadschmetterlinge (Apfelwickler, Schalenwickler, Kleinfruchtwickler) werden mit der Verwirrungstechnik bekämpft, welche die Vermehrung der Falter mittels Duftstoffen verhindert. Nützlinge wie Florfliegen, Marienkäfer, Schlupfwespen, Raubmilben und Ohrwürmer helfen im Kampf gegen Läuse und Co. Eine immer grösser werdende Herausforderung sind neu eingeschleppte und schwer bekämpfbare Schädlinge wie die Marmorierte Baumwanze, die Fleckenminiermotte und die Mittelmeerfruchtfliege.

Geerntet wird von Hand

Im Juni werden die kleinsten sowie fehlerhafte Äpfel entfernt. Dadurch haben die verbleibenden Früchte genügend Platz und Licht, um auszureifen. Weitere Arbeiten im Sommer sind das Mulchen des Grases zwischen den Reihen und die Kontrolle von Mäusen. Geht es Richtung Herbst zu, bestimmen die Qualitätsparameter Grösse, Farbe, Festigkeit und Zuckergehalt, wann mit der Ernte begonnen werden kann. «Zur Erntezeit haben wir sechs bis sieben Erntehelfer aus Polen und zehn bis 15 Personen aus der Umgebung, die uns unterstützen», erklärt Sepp Burri.

Die Sorten werden zu unterschiedlichen Zeiten reif. Die früheste Sorte ist Gala. Für fast alle Sorten sind zwei Erntedurchgänge notwendig. Während der Ernte wird bereits eine Grobsortierung vorgenommen. Die Äpfel, die nicht den Ansprüchen an Tafelobst genügen, werden als Mostobst verwertet. Ein kleiner Teil der Ernte wird auf dem Hof eingelagert. Diese Äpfel werden direkt oder über Wiederverkäufer vermarktet. Der Grossteil wird erntefrisch von der TRAVECO Transporte AG abgeholt und nach Sursee (LU) in die Obsthalle der fenaco Landesprodukte transportiert.

Lagerung und Sortierung

In der Obsthalle in Sursee ist man bereits auf die Lieferung der Äpfel vorbereitet. Jeder Produzent meldet dort 24 Stunden vorher an, welche Sorten und welche Mengen er ernten und abliefern wird. Nach der Annahme werden die Äpfel unter kontrollierten Bedingungen eingelagert. Bei niedrigen Temperaturen, tiefem Sauerstoffgehalt und erhöhtem CO2-Gehalt bleiben die Äpfel über Monate frisch.

Nach und nach werden die eingelagerten Posten sortiert und für die Auslieferung an Grossverteiler und Detaillisten aufbereitet. Eine optische Sortier- und Kalibrieranlage trennt die Früchte entsprechend ihrer Farbe und Grösse nach Qualitätsstufen. Alle Äpfel, die nicht den Qualitätsansprüchen der Klassen I und II entsprechen, gehen als Mostobst an die RAMSEIER Suisse AG. Nach der Sortierung werden die Äpfel verpackt und sind bereit für die Auslieferung an Grossisten und Detailhändler.