
Wenn er nicht gerade Kühe versorgt, steht er im Sägemehl: Michael Zurfluh aus Attinghausen (UR) bereitet sich mitten im Alltag als Bauer auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2025 in Glarus vor.
Es ist kurz vor fünf Uhr morgens in Attinghausen (UR). Die Luft ist noch frisch, der Himmel langsam am Aufhellen. Auf dem Hof der Familie Zurfluh wird es lebendig. Michael Zurfluh steht bereits im Gaden, die Stallarbeit beginnt. Gemeinsam mit seiner Frau, seiner Tochter und seinen Eltern lebt er hier. Der Heimbetrieb umfasst 18 Hektaren mit verstreuten Parzellen für den Futterbau, die bis zur Bergzone IV hinauf reichen. Rund 22 Milchkühe und 16 Stück Jungvieh hält die Familie. Im Sommer geht ein Teil der Tiere auf die Alp im Gitschital. Die Milch wird alle zwei Tage der Genossenschaft Zentralschweizer Milchproduzenten und der Bergkäserei Aschwanden in Seelisberg zugeführt. Der 26-jährige Michael Zurfluh ist gelernter Landwirt und hat kürzlich die Weiterbildung zum Betriebsleiter abgeschlossen. Aktuell arbeitet er zu 80 Prozent als Besamer im Kanton Uri. Die Landwirtschaft kennt er von verschiedenen Seiten: vom eigenen Betrieb, von externen Höfen – und als gelernter Maurer, der bei Bauarbeiten mitanpacken kann. «Erst kürzlich haben wir auf unserer Alp, die wir 2018 übernommen haben, einen neuen Stall gebaut», erzählt er. Der Ausbau war eine grosse Investition. Eine von vielen, die in den letzten Jahren nötig waren. «Da ist es natürlich hilfreich, dass ich mit der Arbeit als Besamer ein zusätzliches Einkommen habe.» Der Hof gehört derzeit noch seiner Mutter. Eine Übergabe ist in ein paar Jahren geplant. Bis dahin hilft Michael Zurfluh mit, wo es nötig ist, und nutzt die Zeit, um für künftige Investitionen auf dem Heimbetrieb vorzusorgen.
Bauer aus Überzeugung, Schwinger aus Leidenschaft
Die Arbeit auf dem Hof ist vielfältig und saisonal geprägt – von der Stallarbeit über das Heuen bis zur Pflege der Weiden. Doch genau diese Abwechslung mag Michael Zurfluh. Trotz vollem Terminkalender bleibt Platz für eine zweite grosse Leidenschaft: das Schwingen. Seit dem achten Lebensjahr steht Michael Zurfluh im Sägemehl. Mittlerweile hat er 17 Kränze gewonnen und 2-mal am Eidgenössischen teilgenommen. «Ich hätte niemals gedacht, dass ich so jung schon so weit komme», erzählt er bescheiden, aber stolz. Ein erster Schritt für die Teilnahme am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2025 in Glarus (GL) ist mit dem Kranzgewinn an den Schwyzer Kantonalen bereits gemacht – das nationale Turnier ist ein weiterer Höhepunkt, auf den er mit grossem Respekt und viel Vorfreude hintrainiert. Drei Trainingseinheiten pro Woche gehören dazu: zweimal Schwingen, einmal «Muckibude». Im Winter liegt der Fokus auf Technik, im Sommer auf der Vorbereitung der grossen Kranzfeste. Die körperliche Arbeit auf dem Hof hilft ihm dabei: «Das Bauern hält dich fit – körperlich und mental», sagt er. Und umgekehrt bringt ihm das Schwingen Kraft und Ausdauer für den Alltag. Mit dem Schwingklub Attinghausen ist er in ein starkes Umfeld eingebettet. Es fördert und fordert ihn.
Sportliche Rivalität, kameradschaftliches Miteinander
Was ihn besonders am Schwingen fasziniert, ist der respektvolle Umgang miteinander. Der faire Wettkampf auf Augenhöhe. «Man gibt sich die Hand, fordert sich alles ab und am Ende trinkt man gemeinsam ein Bier.» Viele Schwinger sind Bauern. Und viele Bauern Schwinger. Kein Zufall, denn das Schwingen und das Bauern vereinen dieselben Werte: Ausdauer, Disziplin, Kameradschaft. «Als Berufskollegen kommt man vor dem Wettkampf auch schnell ins Gespräch, kann sich austauschen, fachsimpeln – das nimmt etwas die Nervosität», sagt Michael Zurfluh.
Auch in der Zusammenarbeit mit der LANDI setzt Michael Zurfluh auf Kameradschaft. «Die Beratung in der LANDI Schattdorf, mit der wir zusammenarbeiten, ist freundlich und kompetent. Ich fühle mich ernst genommen», sagt er. Ob Futtermittel oder Alltagsbedarf: Die LANDI kennt seinen Betrieb und liefert direkt auf den Hof. «Es läuft einfach – das schätzt man sehr.»
Kraft aus dem Alltag
Trotz vieler Aktivitäten auf dem Hof, im Sägemehl und unterwegs als Besamer; für Michael Zurfluh ist das Wichtigste seine Familie. Seine Frau und die gemeinsame einjährige Tochter geben ihm Rückhalt und Motivation. «Wenn ich am Abend in den Stall gehe und sie mir noch kurz winkt, ist das der perfekte Abschluss meines Tages», sagt er und lacht. Energie schöpft er aus dem bäuerlichen Alltag – aus der Arbeit mit den Tieren, dem Draussensein, dem Rhythmus der Natur. «Alles, was mit dem Bauern zu tun hat, gibt mir Kraft.» Und wenn das Wetter mal nicht mitspielt, wird drinnen gejasst oder einfach mal kurz durchgeatmet. Denn auch das gehört zum bäuerlichen Alltag: flexibel bleiben, die Ruhe bewahren – und zwischendurch einfach das Leben geniessen.