fenaco
Bild

Loyal und aktiv im Marktgeschehen

10.10.2013

Über 7000 Obstbauern liefern ihr Mostobst an die Ramseier Suisse AG. Ihr Obst wird in den Mostereien in Kiesen, Hitzkirch, Sursee und Oberaach gepresst und dann von der Ramseier Suisse AG in Sursee verarbeitet. Geschäftsleitungsvorsitzender Christian Consoni informiert im Interview mit der UFA-Revue über die Abnahmekampagne 2013.

  • Bild

UFA-Revue: Wie wird die Mostobsternte 2013 verlaufen?

Christian Consoni: Gemäss Ernteschätzung steht uns eine normale Mostobsternte bevor. Wir haben den Bauern zugesichert, dass wir alle Äpfel und Birnen übernehmen werden. Dies, obwohl auch wir aktuell nicht wissen, wie die Problematik mit den Birnensaftkonzentrat-Übermengen gelöst werden kann.

UFA-Revue: Lässt sich mit dem Marktentlastungsbeitrag von 2.5 Mio. Fr. des Bundes die Problematik um die Übermengen an Birnensaftkonzentrat nicht lösen?

Christian Consoni: Der Marktentlastungsbeitrag lässt sich für eine vernünftige Verwertung kaum nutzen. Beispielsweise ist in der Verordnung des BLW festgehalten, dass Übermengen nicht exportiert werden dürfen. Dies wäre in der Tat die einfachste Variante, man kann von heute auf morgen exportieren und für Übermengen lassen sich im Export noch die besten Preise realisieren. Vorgeschlagen ist vom BLW, Birnensaftkonzentrat im Lebensmittel- oder Futtermittelkanal zu nutzen. Der Kostenanteil ist allerdings beschränkt und bestehende Produkte dürfen nicht konkurrenziert werden. Wir haben beide Varianten geprüft: Bei Futtermitteln ist es wirtschaftlich nicht interessant, der Aufwand wäre zu gross. Im Lebensmittelbereich ist der Markt für Birnel oder Birnenessig klein und begrenzt. Reale Erfolgsaussichten haben diese Lösungen jedoch kaum. Sie sehen also, dass sich die Lage noch verschärfen könnte. Wir rechnen mit 12’000 bis 13’000 Tonnen Birnen, die heuer angeliefert werden und die bestehenden Lager sind noch voll.

UFA-Revue: Überangebot heisst, dass die Preise sinken?

Christian Consoni: Nein, mit unserem Abrechnungssystem in der Obstbranche läuft es anders. Der Richtpreis ist vorgegeben und der Überschussmenge wird anhand eines Rückbehaltes geregelt. Je grösser die Überschussmenge, desto höher fällt der Rückbehalt aus. Aber punkto Birnen haben wir in der Schweiz ein strukturelles Problem. Es gibt zu viele Birnenbäume. Der Markt kann das nicht regulieren. Das Problem wird von Jahr zu Jahr vor sich her geschoben.

UFA-Revue: Sie sprechen den Hochstammbeitrag des Bundes an.

Christian Consoni: Nicht nur. Früher gab es Bundesbeiträge für die Obstverwertung. Seit 2010 ist dies aber nicht mehr der Fall und der Markt muss sich selber regulieren. Bei den Äpfeln funktioniert dies. Aber bei den Birnen hat sich das Problem immer weiter kumuliert. Die gesamte Branche ist gefordert, diese Situation in den nächsten Jahren zu lösen.  

UFA-Revue: Wie werden die Richtpreise in der Obstbranche ausgehandelt?

Christian Consoni: Wir Verarbeiter übernehmen die gesamte Menge unter dem Vorbehalt, dass die Bauern mit dem Rückbehalt zur Überschussverwertung beitragen. Im schweizerischen Obstverband ist die Mostobstbranche im so genannten Produktzentrum Mostobst organisiert. Am runden Tisch sitzen je acht Vertreter der Produzenten und der Verarbeiter und legen die Richtpreise und die Höhe des Rückbehalts fest. Äpfel sind ein Naturprodukt. 2010 betrug die Ernte 60’000 t, das Jahr darauf über 160’000 t. Diese Schwankungen lassen sich nicht nur über den Preis oder den Markt regeln. Durch den Rückbehalt werden Überbestände über den Export abgesetzt. Dieses System gewährleistet Preisstabilität.

UFA-Revue: Wie sieht die Branchenlösung 2013 aus?

Christian Consoni: Die Richtpreise 2012 werden beibehalten. Dank der ausgewogenen Marktlage dürfte der voraussichtliche Auszahlungsrichtpreis für Mostäpfel höher als 2012 sein. Der Rückbehalt beträgt durchschnittlich 3 Fr. pro 100 kg Mostäpfel bei einer geschätzten Erntemenge von 88’100 t. Steigt die Erntemenge über 90’000 t erhöht sich der Rückbehalt um 50 Rappen je 5000 t. Bei den Mostobstbirnen geht man von einer Ernte von 12’600 t aus und bis 11’000 t beträgt der Rückbehalt 5 Fr.

UFA-Revue: Wohin werden die Überschussmengen exportiert?

Christian Consoni: Nach Deutschland, Frankreich und Österreich. Der Preis beträgt meistens ein Drittel des Schweizer Preises. Es ist eine Dienstleistung zuhanden der Mostobstbranche, die wir abwickeln.

UFA-Revue: Der Obstproduzent wird ausbezahlt, wenn die Ernte verwertet ist und braucht manchmal sicher auch Liquiditätsreserven, um die Zeit bis zur Auszahlung zu überbrücken?

Christian Consoni: Je grösser die Ernte ausfällt, desto höher ist der Rückbehalt. Das Produktzentrum Mostobst des Schweizerischen Obstverbands weiss also erst, wenn die Ernte vollständig abgeschlossen ist, wie hoch der Rückbehalt sein wird, was meistens Mitte November der Fall sein wird. Wir halten uns an diese Branchenlösung und können erst auszahlen, wenn wir die Zahlen des Obstverbandes kennen. Wir bezahlen die Bauern und überweisen den Rückbehalt an den Obstverband. Für diese Branchenlösung braucht es Transparenz und Solidarität aller Marktteilnehmer.

UFA-Revue: Machen Sie auch Abnahmeverträge direkt mit Produzenten?

Christian Consoni: Es gibt Abnahmeverträge, beispielsweise mit Bio-Äpfel-Produzenten, aber wir zahlen die gleichen Preise, wie vom Obstverband festgelegt.

UFA-Revue: Der Abnahmevertrag umfasst also die Menge?

Christian Cononi: Auch das ist nicht möglich. Wenn einem Landwirt die Ernte verhagelt wird, kann er nicht liefern. Wir müssen uns der Natur anpassen. Wenn der Sommer trocken ist, sinkt die Menge. Umgekehrt nahmen wir im Herbst 2011 Rekordmengen entgegen.

UFA-Revue: Wie ist das Verhältnis zwischen Mostobst und Tafelobst?

Christian Consoni: Für einen ausgewogenen Säuregehalt brauchen wir in der Mostobstverarbeitung neben Hochstammauch Tafelobst. Was die Tafelobstproduzenten über den Tafelobstkanal nicht absetzen können, fliesst in den Mostobstkanal. Wir sind quasi ein Puffer. Tafelobstproduzenten zahlen denn auch einen höheren Beitrag in die Rückbehaltskasse.

UFA-Revue: Gibt es genug Bio-Äpfel für die Mostproduktion?

Christian Consoni: Wir sind sehr interessiert an Bio-Mostobst und würden sogar für die beiden Umstellungsjahre den Bio-Zuschlag auszahlen. Aber es ist nicht so einfach für die Bauern umzustellen.

UFA-Revue: Wie sieht der Getränkemarkt aus?

Christian Consoni: Wir befinden uns in einem Verdrängungsmarkt mit vielen Mitbewerbern. Die Preise sind unter Druck und wir müssen intelligent investieren. Es gilt, die Kosten im Griff zu haben und wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir haben mit Ramseier, Elmer Citro und Sinalco drei starke Traditionsmarken und entwickeln stetig neue Produktlinien, um den Absatz zu steigern.

UFA-Revue: Was sind das für innovative Produkte?

Christian Consoni: Neuerdings kann man «Ramseier Suure Moscht natur trüeb» in Dosen à 50 cl beziehen. Am eidgenössichen Schwingfest in Burgdorf kam er sehr gut an. Ein anderes Produkt ist der Ramseier Apfeldirektsaft vom Hochstamm im Kühlregal. Bis jetzt standen in den Kühlregalen der Grossverteiler vor allem ausländische Fruchtsäfte. Es kann nicht sein, dass Schweizer Apfelsaft dort fehlt. Ein weiteres Projekt ist, und dies, weil die Lagerbestände an Birnensaftkonzentrat hoch sind, ein Most mit dem Label Hochstamm, bei welchem das Apfel-Birnenverhältnis 75 zu 25 sein wird. Bisher lag der Anteil Birnensaft bei 10%. Es ist ein sehr feiner und abgerundeter Süessmost. Dann lancieren wir eine Ramseier Apfelschorle in Bio-Qualität. Die Diversifizierung belebt den Apfelsaftmarkt und ist eine Chance, um den Absatz zu steigern. Für die Verarbeitung ist es eine Herausforderung, so braucht es zusätzliche separate Lagertänke und Verarbeitungslinien.

UFA-Revue: Wie kommt Ramseier Apfelsaft in der Westschweiz an?

Christian Consoni: Die Marke Ramseier profitiert in der Westschweiz von einem sehr hohen Bekanntheitsgrad. Ramseier Süessmost kommt sehr gut an. Bei der Ramseier Apfelschorle befinden wir uns im Aufbau und versuchen die Bekanntheit für dieses Produkt weiter zu steigern.

UFA-Revue: Exportieren Sie Ramseier Apfelsaft?

Christian Consoni: Nein. Wir konzentrieren uns auf den Schweizer Markt, da wir noch sehr viel Potenzial in unserem Heimmarkt sehen.  

UFA-Revue: Sie haben rund 20 Mio. Fr. in eine neue Logistikplattform mit 17’000 Palettenplätzen investiert. Wie sieht der Zeitplan aus?

Christian Consoni: Ende Juli ist das Gebäude fertig geworden. Wir befinden uns in der Testphase und Ende Oktober soll das vollautomatisierte Hochregallager in Betrieb genommen werden. Das ist ein grosser Schritt vorwärts.

UFA-Revue: Sind weitere Investitionen vorgesehen?

Christian Consoni: Dadurch, dass wir die Logistik verlegt haben, haben wir hier im Hauptgebäude mehr Platz für die Produktion und investieren in zusätzliche Abfüllund Tankkapazitäten sowie eine neue Konzentrieranlage.

UFA-Revue: In der Landwirtschaft- und Ernährungsbranche spricht man von einem Fachkräftemangel. Sind Sie davon auch betroffen?

Christian Consoni: Das spüren wir natürlich auch. Für uns ist es wichtig, gute Leute zu haben. Mit unserer Firmenkultur und den Anstellungsbedingungen sind wir ein guter Arbeitgeber.  

Interview: Daniela Clemenz, Gael Monnerat, UFA-Revue, 8401 Winterthur

Ramseier Suisse AG

  • Rechtsform: Aktiengesellschaft zu 100% eine Tochtergesellschaft der fenaco-LANDI Gruppe.
  • Hauptsitz: Sursee.
  • Mitarbeiter: 300.
  • Marken: Ramseier, Sinalco, Elmer Citro und Mineral
  • Umsatz: 168 Mio. Fr. (2012).
  • Mostereien: 4 Mostereien in Hitzkirch, Kiesen, Oberaach und Sursee.
  • 4 Abfüllbetriebe: Sursee (Hauptsitz), Hochdorf, Kiesen, Elm.
  • Abfülltechniken: PET, Glas, Weichpackung, Keg, Bag in Box.
  • Produzenten/Lieferanten: 7000 Obstbauern
  • Kunden: Gastronomie und Detailhandel, darunter auch Volg und LANDI.
  • Produkte: Obst- und Fruchtsäfte, Suure Moscht, Ice Tea, Soft Drinks, Bier, Mineralwasser, Saisonprodukte.
  • Jahresproduktion: 180 Mio. Einheiten.
  • Mostobstverarbeitung: 43’000 t Mostobst (2012).

 

« Zurück zur Übersicht

Für eine produzierende Schweizer Landwirtschaft